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zustimmend sein Haupt und antwortete nur das Nötigste. Der Graf, oben am Tisch,
lächelte beständig mit herabgezogenen Lippen, sein Gesicht erschie n größer als sonst, es
war, als trüge er eine Maske. Er ergriff übrigens selbst manchmal das Wort, wobei seine
Stimme sich auf niemanden bezog, aber, obwohl sie sehr leise war, doch im ganzen Saal
gehört werden konnte; sie hatte etwas von dem gleichmäßigen unbeteiligten Gang einer
Uhr; die Stille um sie schien eine eigene leere Resonanz zu haben, fü r jede Silbe die
gleiche.
Graf Brahe hielt es für eine besondere Artigkeit meinem Vater gegenü ber, von dessen
verstorbener Gemahlin, meiner Mutter, zu sprechen. Er nannte sie Gräfin Sibylle, und alle
seine Sätze schlossen, als fragte er nach ihr. Ja es kam mir, ich weiß nicht weshalb, vor,
als handle es sich um ein ganz junges Mädchen in Weiß, das jeden A ugenblick bei uns
eintreten könne. In demselben Tone hörte ich ihn auch von »unserer kleinen Anna
Sophie« reden. Und als ich eines Tages nach diesem Fräulein fragte, das dem Großvater
besonders lieb zu sein schien, erfuhr ich, daß er des Großkanzlers Conrad Reventlow
Tochter meinte, weiland Friedrichs des Vierten Gemahlin zur linken Hand, die seit nahezu
anderthalb hundert Jahren zu Roskilde ruhte. Die Zeitfolgen spielten durchaus keine Rolle
für ihn, der Tod war ein kleiner Zwischenfall, den er vollkommen ignorierte, Personen, die
er einmal in seine Erinnerung aufgenommen hatte, existierten, und daran konnte ihr
Absterben nicht das geringste ändern. Mehrere Jahre später, nach dem Tode des alten
Herrn, erzählte man sich, wie er auch das Zukünftige mit demselben Eigensinn als
gegenwärtig empfand. Er soll einmal einer gewissen jungen Frau von ihren Söhnen
gesprochen haben, von den Reisen eines dieser Söhne insbesondere, während die junge
Dame, eben im dritten Monate ihrer ersten Schwangerschaft, fast besinnungslos vor
Entsetzen und Furcht neben dem unablässig redenden Alten saß.
Aber es begann damit, daß ich lachte. Ja ich lachte laue und ich konn te mich nicht
beruhigen. Eines Abends fehlte nämlich Mathilde Brahe. Der alte, fast ganz erblindete
Bediente hielt, als er zu ihrem Platze kam, dennoch die Schüssel anbietend hin. Eine
Weile verharrte er so; dann ging er befriedigt und würdig und als ob alles in Ordnung wäre
weiter. Ich hatte diese Szene beobachtet, und sie kam mir, im Augenblick da ich sie sah,
durchaus nicht komisch vor. Aber eine Weile später, als ich eben eine n Bissen in den
Mund steckte, stieg mir das Gelächter mit solcher Schnelligkeit in den Kopf, daß ich mich
verschluckte und großen Lärm verursachte. Und tr
war, trotzdem ich mich auf alle mögliche Weise anstrengte, ernst zu sein, kam das Lachen
stoßweise immer wieder und behielt völlig die Herrschaft über m ich.
Mein Vater, gleichsam um mein Benehmen zu verdecken, fragte mit seiner breiten
gedämpften Stimme: »Ist Mathilde krank?« Der Großvater lächelte in seiner Art und
antwortete dann mit einem Satze, auf den ich, mit mir selber beschäftigt, nicht achtgab
und der etwa lautete: Nein, sie wünscht nur, Christinen nicht zu begegnen. Ich sah es also
auch nicht als die Wirkung dieser Worte an, daß mein Nachbar, der braune Major, sich
erhob und, mit einer undeutlich gemurmelten Entschuldigung und einer Verbeugung gegen
den Grafen hin, den Saal verließ. Es fiel mir nur auf, daß er sich hinter dem Rücken des
Hausherrn in der Tür nochmals umdrehte und dem kleinen Erik und zu meinem größten
Erstaunen plötzlich auch mit winkende und nickende Zeichen machte, al s forderte er uns
auf, ihm zu folgen. Ich war so überrascht, daß mein Lachen aufhörte, mich zu bedrängen.
Im übrigen schenkte ich dem Major weiter keine Aufmerksamkeit; er war mir unangenehm,
und ich bemerkte auch, daß der kleine Erik ihn nicht beachtete.
Die Mahlzeit schleppte sich weiter wie immer, und man war gerade beim Nachtisch
angelangt, als meine Blicke von einer Bewegung ergriffen und mitgenommen wurden, die
im Hintergrund des Saales, im Halbdunkel, vor sich ging. Dort war nach und nach eine,
wie ich meinte, stets verschlossene Türe, von welcher man mir gesagt hatte, daß sie in
das Zwischengeschoß führe, aufgegangen, und jetzt, während ich mit einem mir ganz
neuen Gefühl von Neugier und Bestürzung hinsah, trat in das Dunkel der Türöffnung eine
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