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Auge, immer im Auge, immer in diesem umgerührten, zusammengeflossenen Auge. Es
war also gut, daß ich nicht ins Louvre gegangen bin. Ich bin immer unterwegs gewesen.
Weiß der Himmel in wie vielen Städten, Stadtteilen, Friedhöfen, Brücken und
Durchgängen. Irgendwo habe ich einen Mann gesehen, der einen Gemüs ewagen vor sich
herschob. Er schrie: Chou-fleur, Chou-fleur, das fleur mit eigentümlich trübem eu. Neben
ihm ging eine eckige, häßliche Frau, die ihn von Zeit zu Zeit anst ieß. Und wenn sie ihn
anstieß, so schrie er. Manchmal schrie er auch von selbst, aber dann war es umsonst
gewesen, und er mußte gleich darauf wieder schreien, weil man vor einem Hause war,
welches kaufte. Habe ich schon gesagt, daß er blind war? Nein? Also e r war blind. Er war
blind und schrie. Ich fälsche, wenn ich
schob, ich tue, als hätte ich nicht bemerkt, daß er Blumenkohl aus rief Aber ist das
wesentlich? Und wenn es auch wesentlich wäre, kommt es nicht darauf a n, was die ganze
Sache für mich gewesen ist? Ich habe einen alten Mann gesehen, der bl ind war und
schrie. Das habe ich gesehen. Gesehen.
Wird man es glauben, daß es solche Häuser giebt? Nein, man wird sagen, ich fälsche.
Diesmal ist es Wahrheit, nichts weggelassen, natürlich auch nichts hinzugetan. Woher
sollte ich es nehmen? Man weiß, daß ich arm bin. Man weiß es. Häuser? Aber, um genau
zu sein, es waren Häuser, die nicht mehr da waren. Häuser, die man abgebrochen hatte
von oben bis unten. Was da war, das waren die anderen Häuser, die danebengestanden
hatten, hohe Nachbarhäuser. Offenbar waren sie in Gefahr, umzufallen, seit man nebenan
alles weggenommen hatte; denn ein ganzes Gerüst von langen, geteerten Mastbäumen
war schräg zwischen den Grund des Schuttplatzes und die bloßgelegt e Mauer gerammt.
Ich weiß nicht, ob ich schon gesagt habe, daß ich diese Mauer mein e. Aber es war
sozusagen nicht die erste Mauer der vorhandenen Häuser (was man doch hätte
annehmen müssen), sondern die letzte der früheren. Man sah ihre Innenseite. Man sah in
den verschiedenen Stockwerken Zimmerwände, an denen noch die Tapeten klebten, da
und dort den Ansatz des Fußbodens oder der Decke. Neben den Zimmerwä nden blieb die
ganze Mauer entlang noch ein schmutzigweißer Raum, und durch diesen kroch in
unsäglich widerlichen, wurmweichen, gleichsam verdauenden Bewegungen die offene,
rostfleckige Rinne der Abortröhre. Von den Wegen, die das Leuchtgas gegangen war,
waren graue, staubige Spuren am Rande der Decken geblieben, und sie bogen da und
dort, ganz unerwartet, rund um und kamen in die farbige Wand hineingelau fen und in ein
Loch hinein, das schwarz und rücksichtslos ausgerissen war. Am unverg eßlichsten aber
waren die Wände selbst. Das zähe Leben dieser Zimmer hatte sich nicht zertreten lassen.
Es war noch da, es hielt sich an den Nägeln, die geblieben waren, es stand auf dem
handbreiten Rest der Fußböden, es war unter den Ansätzen der Ecken, wo es noch ein
klein wenig Innenraum gab, zusammengekrochen. Man konnte sehen, daß es in der Farbe
war, die es langsam, Jahr um Jahr, verwandelt hatte: Blau in schimmliches Grün, Grün in
Grau und Gelb in ein altes, abgestandenes Weiß, das fault. Aber es wa r auch in den
frischeren Stellen, die sich hinter Spiegeln, Bildern und Schränken erhalten hatten; denn
es hatte ihre Umrisse gezogen und nachgezogen und war mit Spinnen und St aub auch auf
diesen versteckten Plätzen gewesen, die jetzt bloßlagen. Es war in jedem Streifen, der
abgeschunden war, es war in den feuchten Blasen am unteren Rande der Tapeten, es
schwankte in den abgerissenen Fetzen, und aus den garstigen Flecken, die vor langer Zeit
entstanden waren, schwitzte es aus. Und aus diesen blau, grün und gelb gewesenen
Wänden, die eingerahmt waren von den Bruchbahnen der zerstörten Zwischenmauern,
stand die Luft dieser Leben heraus, die zähe, träge, stockige Luft , die kein Wind noch
zerstreut hatte. Da standen die Mittage und die Krankheiten und das Ausg eatmete und der
jahrealte Rauch und der Schweiß, der unter den Schultern ausbricht und die Kleider
schwer macht, und das Fade aus den Munden und der Fuselgeruch gärende r Füße. Da
stand das Scharfe vom Urin und das Brennen vom Ruß und grauer Kartoff eldunst und der
schwere, glatte Gestank von alterndem Schmalze. Der süße, lange Geruch von
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