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rütteln, die Stirnhaut gespannt von der nahen Glut und mit Hitze in den offenen Augen,
gebe ich alles aus, was ich für den Tag an Kraft habe, und wenn ich d ann unter die Leute
komme, haben sie es natürlich leicht. Ich würde manchmal, wenn gro ßes Gedränge ist,
einen Wagen nehmen, vorbeifahren, ich würde täglich in einem Duval essen
und nicht
mehr in die Crémerien kriechen
Ob er wohl auch in einem Duval gewesen wäre? Nein.
Dort hätte er nicht auf mich warten dürfen. Sterbende läßt man nicht hinein. Sterbende?
Ich sitze ja jetzt in meiner Stube; ich kann ja versuchen, ruhig über das nachzudenken,
was mir begegnet ist. Es ist gut, nichts im Ungewissen zu lassen. Also i ch trat ein und sah
zuerst nur, daß der Tisch, an dem ich öfters zu sitzen pflegte, von jemandem anderen
eingenommen war. Ich grüßte nach dem kleinen Buffet hin, bestellte und setzte mich
nebenan. Aber da fühlte ich ihn, obwohl er sich nicht rührte. Gerade seine
Regungslosigkeit fühlte ich und begriff sie mit einem Schlage. Die Verbindung zwischen
uns war hergestellt, und ich wußte, daß er erstarrt war vor Entsetzen. Ich wußte, daß das
Entsetzen ihn gelähmt hatte, Entsetzen über etwas, was in ihm geschah. Vielleicht brach
ein Gefäß in ihm, vielleicht trat ein Gift, das er lange gefürchtet hatte, gerade jetzt in seine
Herzkammer ein, vielleicht ging ein großes Geschwür auf in seinem Gehirn wie eine
Sonne, die ihm die Welt verwandelte. Mit unbeschreiblicher Anstrengung zwang ich mich,
nach ihm hinzusehen, denn ich hoffte noch, daß alles Einbildung sei. Aber es geschah,
daß ich aufsprang und hinausstürzte; denn ich hatte mich nicht geirrt. Er saß da in einem
dicken, schwarzen Wintermantel, und sein graues, gespanntes Gesicht hing tief in ein
wollenes Halstuch. Sein Mund war geschlossen, als wäre er mit großer Wucht zugefallen,
aber es war nicht möglich zu sagen, ob seine Augen noch schauten: bes chlagene,
rauchgraue Brillengläser lagen davor und zitterten ein wenig. Seine Nasenflügel waren
aufgerissen, und das lange Haar über seinen Schläfen, aus denen alles weggenommen
war, welkte wie in zu großer Hitze. Seine Ohren waren lang, gelb, mit großen Schatten
hinter sich. Ja, er wußte, daß er sich jetzt von allem entfernte nicht nur von den Menschen.
Ein Augenblick noch, und alles wird seinen Sinn verloren haben, und dies er Tisch und die
Tasse und der Stuhl, an den er sich klammert, alles Tägliche und Nä chste wird
unverständlich geworden sein, fremd und schwer. So saß er da und wartete, bis es
geschehen sein würde. Und wehrte sich nicht mehr.
Und ich wehre mich noch. Ich wehre mich, obwohl ich weiß, daß mir das Herz schon
heraus hängt und daß ich doch nicht mehr leben kann, auch wenn mei ne Quäler jetzt von
mir abließen. Ich sage mir: es ist nichts geschehen, und doch habe ic h jenen Mann nur
begreifen können, weil auch in mir etwas vor sich geht, das anfangt, mich von allem zu
entfernen und abzutrennen. Wie graute mir immer, wenn ich von einem Sterbenden sagen
hörte: er konnte schon niemanden mehr erkennen. Dann stellte ich mir ein einsames
Gesicht vor, das sich aufhob aus Kissen und suchte, nach etwas Bekanntem suchte, nach
etwas schon einmal Gesehenem suchte, aber es war nichts da. Wenn meine Furcht nicht
so groß wäre, so würde ich mich damit trösten, daß es nic ht unmöglich ist, alles anders zu
sehen und doch zu leben. Aber ich fürchte mich, ich fürchte mich n amenlos vor dieser
Veränderung. Ich bin ja noch gar nicht in dieser Welt eingewöhnt gewesen, die mir gut
scheint.
Was soll ich in einer anderen? Ich würde so gerne unter den Bedeutungen bleiben, die mir
lieb geworden sind, und wenn schon etwas sich verändern muß, so mö chte ich doch
wenigstens unter den Hunden leben dürfen, die eine verwandte Welt haben und dieselben
Dinge.
Noch eine Weile kann ich das alles aufschreiben und sagen. Aber es wird ein Tag
kommen, da meine Hand weit von mir sein wird, und wenn ich sie schreiben heißen
werde, wird sie Worte schreiben, die ich nicht meine. Die Zeit der anderen Auslegung wird
anbrechen, und es wird kein Wort auf dem anderen bleiben, und jeder Sinn wird wie
Wolken sich auflösen und wie Wasser niedergehen. Bei aller Furcht bin ich schließlich
doch wie einer, der vor etwas Großem steht, und ich erinnere mich, da ß es früher oft
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