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meinen Besuch in einem leidlich guten Anzuge gemacht, ich hatte meine Ka rte
hineingeschickt. Trotzdem, er mußte es irgendwie erfahren haben, vielleicht hatte ich mich
selbst verraten. Nun, da es einmal Tatsache war, fand ich es auch gar nicht so arg; die
Leute saßen still und achteten nicht auf mich. Einige hatten Schmerzen und schwenkten
ein wenig das eine Bein, um sie leichter auszuhalten. Verschiedene Männer hatten den
Kopf in die flachen Hände gelegt, andere schliefen tief mit schweren, verschütteten
Gesichtern. Ein dicker Mann mit rotem, angeschwollenem Halse saß vorübergebeugt da,
stierte auf den Fußboden und spie von Zeit zu Zeit klatschend auf einen Fleck, der ihm
dazu passend schien. Ein Kind schluchzte in einer Ecke; die langen mager n Beine hatte
es zu sich auf die Bank gezogen, und nun hielt es sie umfaßt und an s ich gepreßt, als
müßte es von ihnen Abschied nehmen. Eine kleine, blasse Frau, der ein mit runden,
schwarzen Blumen geputzter Krepphut schief auf den Haaren saß, hatte die Grimasse
eines Lächelns um die dürftigen Lippen, aber ihre wunden Lider gin gen beständig über.
Nicht weit von ihr hatte man ein Mädchen hingesetzt mit rundem glatten Gesicht und
heraus - gedrängten Augen, die ohne Ausdruck waren; sein Mund stand offen, so daß
man das weiße, schleimige Zahnfleisch sah mit den alten, verkümmerten Zähnen. Und
viele Verbände gab es. Verbände, die den ganzen Kopf Schichte um S chichte umzogen,
bis nur noch ein einziges Auge da war, das niemandem mehr gehörte. Verbände, die
verbargen, und Verbände, die zeigten, was darunter war. Verbände, die man geöffnet
hatte und in denen nun, wie in einem schmutzigen Bett, eine Hand lag, di e keine mehr
war; und ein eingebundenes Bein, das aus der Reihe herausstand, groß wie ein ganzer
Mensch. Ich ging auf und ab und gab mir Mühe, ruhig zu sein. Ich beschäftigte mich viel
mit der gegenüberliegenden Wand. Ich bemerkte, daß sie eine Anzahl einflügeliger Türen
enthielt und nicht bis an die Decke reichte, so daß dieser Gang von d en Räumen, die
daneben liegen mußten, nicht ganz abgetrennt war. Ich sah nach der Uhr; ich war eine
Stunde auf und ab gegangen. Eine Weile später kamen die Ärzte. Zuerst ein paar junge
Leute, die mit gleichgültigen Gesichtern vorbeigingen, schließlich der, bei dem ich
gewesen war, in lichten Handschuhen, Chapeau à huit reflets, tadellosem Überzieher. Als
er mich sah, hob er ein wenig den Hut und lächelte zerstreut. Ich hatte nun Hoffnung,
gleich gerufen zu werden, aber es verging wieder eine Stunde. Ich kann mich nicht
erinnern, womit ich sie verbrachte. Sie verging. Ein alter Mann kam in einer fleckigen
Schürze, eine Art Wärter, und berührte mich an der Schulter. Ich trat in eines der
Nebenzimmer. Der Arzt und die jungen Leute saßen um einen Tisch und s ahen mich an,
man gab mir einen Stuhl. So. Und nun sollte ich erzählen, wie das eig entlich mit mit wäre.
Möglichst kurz, sil vous plaît. Denn viel Zeit hätten die Herren nicht. Mir war seltsam
zumut. Die jungen Leute saßen und sahen mich an mit jener überlege nen, fachlichen
Neugier, die sie gelernt hatten. Der Arzt, den ich kannte, strich seinen schwarzen Spitzbart
und lächelte zerstreut. Ich dachte, daß ich in Weinen ausbrechen würde, aber ich hörte
mich französisch sagen: »Ich hatte bereits die Ehre, Ihnen, mein Herr, alle Auskünfte zu
geben, die ich geben kann. Halten Sie es für nötig, daß diese H erren eingeweiht werden,
so sind Sie nach unserer Unterredung gewiß imstande, dies mit einigen Worten zu tun,
während es nur sehr schwer fällt.« Der Arzt erhob sich mit höflichem Lächeln, trat mit den
Assistenten ans Fenster und sagte ein paar Worte, die er mit einer waagerechten,
schwankenden Handbewegung begleitete. Nach drei Minuten kam einer von de n jungen
Leuten, kurzsichtig und fahrig, an den Tisch zurück und sagte, indem er versuchte, mich
strenge anzusehen: »Sie schlafen gut, mein Herr?« »Nein, schlecht.« Worauf er wieder zu
der Gruppe zurücksprang. Dort verhandelte man noch eine Weile, dann w andte sich der
Arzt an mich und teilte mir mit, daß man mich rufen lassen würde. Ich erinnerte ihn, daß
ich auf ein Uhr bestellt worden sei. Er lächelte und machte ein paar schnelle, sprunghafte
Bewegungen mit seinen kleinen weißen Händen, die bedeuten wollten, daß er ungemein
beschäftigt sei. Ich kehrte also in meinen Gang zurück, in dem die Luft viel lastender
geworden war, und fing wieder an, hin und her zugehen, obwohl ich mich todmüde fühlte.
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