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Bett standen und mir den Puls fühlten
und mich fragten, was mich erschreckt habe: Das Große.
Und wenn sie den Doktor holten und er war da und redete mir zu, so bat ich ihn,
er möchte
nur machen, daß das Große wegginge, alles andere wäre nichts.
Aber er war wie die
andern. Er konnte es nicht fortnehmen, obwohl ich damals doch klein war und mir
leicht zu helfen
gewesen wäre. Und jetzt war es wieder da. Es war spä ter einfach
ausgeblieben, auch in Fiebernächten
war es nicht wiedergekommen, aber jetzt war es da,
obwohl ich kein Fieber hatte. Jetzt
war es da. Jetzt wuchs es aus mir heraus wie eine Geschwulst,
wie ein zweiter Kopf, und war ein Teil von mir, obwohl es doch gar nicht zu
mir gehören konnte, weil es so
groß war. Es war da, wie ein großes totes Tier, das einmal,
als es noch lebte, meine Hand gewesen
war oder mein Arm. Und mein Blut ging durch mich
und durch es, wie durch einen und denselben Körper. Und mein Her z mußte
sich sehr anstrengen,
um das Blut in das Große zu treiben: es war fast nicht genug Blut da.
Und das Blut trat ungern ein in das
Große und kam krank und schlecht zurück. Aber das
Große schwoll an und wuchs mir
vor das Gesicht wie eine warme bläu liche Beule und
wuchs mir vor den Mund, und über
meinem letzten Auge war schon der Sc hatten von seinem
Rande. Ich kann
mich nicht erinnern, wie ich durch die vielen Höfe hinausgekommen war. Es
war Abend, und
ich verirrte mich in der fremden Gegend und ging Boulevards m it endlosen
Mauern in einer Richtung hinauf und,
wenn dann kein Ende da war, in der entgegengesetzten
Richtung zurück bis an irgendeinen Platz. Dort begann ich eine Straße
zu gehen, und
es kamen andere Straßen, die ich nie gesehen hatte, und wieder andere.
Elektrische Bahnen
rasten manchmal überhell und mit hartem, klopfendem Geläute heran
und vorbei. Aber auf ihren Tafeln standen
Namen, die ich nicht kannte. Ich wußte nicht, in welcher
Stadt ich war und ob ich hier irgendwo eine Wohnung hatte und was ich tun
mußte, um nicht mehr gehen zu
müssen.
Und jetzt auch noch diese Krankheit,
die mich immer schon so eigentüml ich berührt
hat. Ich bin sicher, daß man sie
unterschätzt. Genau wie man die Bedeutung anderer Krankheiten
übertreibt. Diese Krankheit hat keine bestimmten Eigenheiten, sie nimmt
die Eigenheiten dessen an, den sie
ergreift. Mit einer somnambulen Sicherheit holt sie aus
einem jeden seine tiefste Gefahr heraus,
die vergangen schien, und stellt sie wieder vor ihn
hin, ganz nah, in die nächste Stunde. Männer, die einmal in der Schulzeit
das hülflose Laster
versucht haben, dessen betrogene Vertraute die armen, harten Knabenhände
sind, finden
sich wieder darüber, oder es fangt eine Krankheit, die sie als Kinder überwunden
haben, wieder
in ihnen an; oder eine verlorene Gewohnheit ist wieder da, ein gewisses
zögerndes
Wenden des Kopfes, das ihnen vor Jahren eigen war. Und mit dem, was
kommt, hebt sich ein ganzes Gewirr
irrer Erinnerungen, das daranhängt wie nasser Tang
an einer versunkenen Sache. Leben,
von denen man nie erfahren hätte, tauchen empor und
mischen sich unter das, was wirklich gewesen ist, und verdrängen Vergangenes,
das man zu kennen
glaubte: denn in dem, was aufsteigt, ist eine ausgeruhte, neue Kraft, das
aber, was immer
da war, ist müde von zu oftem Erinnern. Ich
liege in meinem Bett, fünf Treppen hoch, und mein Tag, den nichts unterbricht,
ist wie ein Zifferblatt
ohne Zeiger. Wie ein Ding, das lange verloren war, eines Morgens auf seiner
Stelle liegt, geschont und gut, neuer
fast als zur Zeit des Verlustes, g anz als ob es bei irgend
jemandem in Pflege gewesen wäre -: so liegt da und da auf meiner Bettdecke
Verlorenes aus
der Kindheit und ist wie neu. Alle verlorenen Ängste s ind wieder da.
Die Angst, daß ein kleiner Wollfaden,
der aus dem Saum der Decke heraussteht, hart sei, hart
und scharf wie eine stählerne Nadel; die Angst, daß dieser kleine Knopf
meines Nachthemdes
größer sei als mein Kopf, groß und schwer; die Angs t, daß
dieses Krümchen
Brot, das jetzt von meinem Bette fällt, gläsern und ze rschlagen unten
ankommen würde,
und die drückende Sorge, daß damit eigentlich alles zerbrochen sei,
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