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alles für immer; die Angst, daß
der Streifen Rand eines aufgerissenen Briefes etwas Verbotenes
sei, das niemand sehen dürfe, etwas unbeschreiblich Kostbares, für das
keine Stelle in
der Stube sicher genug sei; die Angst, daß ich, wenn ich ei nschliefe, das
Stück Kohle
verschlucken würde, das vor dem Ofen liegt; die Angst, daß i rgendeine
Zahl in meinem
Gehirn zu wachsen beginnt, bis sie nicht mehr Raum hat in mir; die Angst, daß
das Granit sei,
worauf ich liege, grauer Granit; die Angst, daß ich schreien könnte
und daß man
vor meiner Türe zusammenliefe und sie schließlich aufbräche , die
Angst, daß ich mich
verraten könnte und alles das sagen, wovor ich mich fürchte, und
die Angst, daß ich nichts
sagen könnte, weil alles unsagbar ist, - und die anderen Än gste
die Ängste. Ich
habe um meine Kindheit gebeten, und sie ist wiedergekommen, und ich fühle,
daß sie immer
noch so schwer ist wie damals und daß es nichts genützt hat, älter
zu werden.
Gestern
war mein Fieber besser, und heute fängt der Tag wie Frühlin g an, wie
Frühling in
Bildern. Ich will versuchen, auszugehen in die Bibliothèque Nation ale zu
meinem Dichter,
den ich so lange nicht gelesen habe, und vielleicht kann ich später langsam
durch die Gärten
gehen. Vielleicht ist Wind über dem großen Teich, der so wirkliches
Wasser hat, und
es kommen Kinder, die ihre Schiffe mit den roten Segeln hineinlassen
und zuschauen.
Heute habe ich es nicht erwartet, ich
bin so mutig ausgegangen, als wä re das das Natürlichste
und Einfachste. Und doch, es war wieder etwas da, das mi ch nahm wie
Papier, mich zusammenknüllte und
fortwarf, es war etwas Unerhörtes da. Der
Boulevard St-Michel war leer und weit, und es ging sich leicht auf seiner leisen
Neigung. Fensterflügel
oben öffneten sich mit gläsernem Aufklang, und ihr Glänzen flog
wie ein weißer
Vogel über die Straße. Ein Wagen mit hellroten Rädern kam vorüber,
und weiter unten
trug jemand etwas Lichtgrünes. Pferde liefen in blinkernden Geschirren auf
dem dunkel gespritzten
Fahrdamm, der rein war. Der Wind war erregt, neu, mild, und alles
stieg auf: Gerüche, Rufe, Glocken.
Ich kam an einem
der Caféhäuser vorbei, in denen am Abend die fals chen roten Zigeuner
spielen. Aus
den offenen Fenstern kroch mit schlechtem Gewissen die übernächtige
Luft. Glattgekämmte
Kellner waren dabei, vor der Türe zu scheuern. Der eine stand gebückt
und warf, handvoll
nach handvoll, gelblichen Sand unter die Tische. Da stieß ihn einer von
den Vorübergehenden an und zeigte
die Straße hinunter. Der Kellner , der ganz rot im
Gesicht war, schaute eine Weile scharf
hin, dann verbreitete sich ein La chen auf seinen bartlosen
Wangen, als wäre es darauf verschüttet worden. Er winkte den andern
Kellnern, drehte
das lachende Gesicht ein paarmal schnell von rechts nach links, u m alle
herbeizurufen und selbst nichts zu
versäumen. Nun standen alle und bl ickten hinuntersehend
oder - suchend, lächelnd oder ärgerlich, daß sie noch nicht entdeckt
hatten, was Lächerliches
es gäbe. Ich
fühlte, daß ein wenig Angst in mir anfing. Etwas drängte mich auf
die andere Seite hinüber;
aber ich begann nur schneller zu gehen und überblickte unwillkürlich
die wenigen Leute
vor mir, an denen ich nichts Besonderes bemerkte. Doch ich sah, daß der eine,
ein Laufbursche
mit einer blauen Schürze und einem leeren Henkelkorb über der einen
Schulter, jemandem
nachschaute. Als er genug hatte, drehte er sich auf derselben Stelle
nach den Häusern um und machte
zu einem lachenden Kommis hinüber d ie schwankende
Bewegung vor der Stirne, die allen
geläufig ist. Dann blitzte er mit den schwarzen Augen
und kam mir befriedigt und sich wiegend
entgegen. Ich
erwartete, sobald mein Auge Raum hatte, irgendeine ungewöhnliche und
auffallende Figur
zu sehen, aber es zeigte sich, daß vor mir niemand ging, als ein großer
hagerer Mann
in einem dunklen Überzieher und mit einem weichen, schwarzen Hut auf
dem kurzen, fahlblonden
Haar. Ich vergewisserte mich, daß weder an der Kleidung, noch in
dem Benehmen dieses Mannes etwas Lächerliches
sei, und versuchte schon, an ihm
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