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vorüber den Boulevard hinunter zu schauen, als er über irgend etwas stolperte. Da ich
nahe hinter ihm folgte, nahm ich mich in acht, aber als die Stelle kam, war da nichts, rein
nichts. Wir gingen beide weiter, er und ich, der Abstand zwischen uns blieb derselbe. Jetzt
kam ein Straßenübergang, und da geschah es, daß der Mann vor mi r mit ungleichen
Beinen die Stufen des Gangsteigs hinunterhüpfte in der Art etwa, wie Kinder manchmal
während des Gehens aufhüpfen oder springen, wenn sie sich freuen. Auf den jenseitigen
Gangsteig kam er einfach mit einem langen Schritt hinauf. Aber kaum war er oben, zog er
das eine Bein ein wenig an und hüpfte auf dem anderen einmal hoch und gleich darauf
wieder und wieder. Jetzt konnte man diese plötzliche Bewegung wieder ganz gut für ein
Stolpern halten, wenn man sich einredete, es wäre da eine Kleinigkeit gewesen, ein Kern,
die glitschige Schale einer Frucht, irgend etwas; und das Seltsame war, daß der Mann
selbst an das Vorhandensein eines Hindernisses zu glauben schien, denn e r sah sich
jedesmal mit jenem halb ärgerlichen, halb vorwurfsvollen Blick, den die Leute in solchen
Augenblicken haben, nach der lästigen Stelle um. Noch einmal rief mich etwas Warnendes
auf die andere Seite der Straße, aber ich folgte nicht und blieb immerfort hinter diesem
Manne, indem ich meine ganze Aufmerksamkeit auf seine Beine richtete. Ic h muß
gestehen, daß ich mich merkwürdig erleichtert fühlte, als etwa zwanzig Schritte lang jenes
Hüpfen nicht wiederkam, aber da ich nun meine Augen: aufhob, bemerkte ich, daß dem
Manne ein anderes Ärgernis entstanden war. Der Kragen seines Überziehers hatte sich
aufgestellt; und wie er sich auch, bald mit einer Hand, bald mit beiden umständlich
bemühte, ihn niederzulegen, es wollte nicht gelingen. Das kam vor. Es beunruhigte mich
nicht. Aber gleich darauf gewahrte ich mit grenzenloser Verwunderung, da ß in den
beschäftigten Händen dieses Menschen zwei Bewegungen waren: eine heimliche, rasche,
mit welcher er den Kragen unmerklich hochklappte, und jene andere ausführliche,
anhaltende, gleichsam übertrieben buchstabierte Bewegung, die das Umlegen des
Kragens bewerkstelligen sollte. Diese Beobachtung verwirrte mich so sehr, daß zwei
Minuten vergingen, ehe ich erkannte, daß im Halse des Mannes, hinter dem
hochgeschobenen Überzieher und den nervös agierenden Händen das selbe schreckliche,
zweisilbige Hüpfen war, das seine Beine eben verlassen hatte. Von die sem Augenblick an
war ich an ihn gebunden. Ich begriff, daß dieses Hüpfen in seinem Körper herumirrte, daß
es versuchte, hier und da auszubrechen. Ich verstand seine Angst vor den Leuten, und ich
begann selber vorsichtig zu prüfen, ob die Vorübergehenden etwas merkten. Ein kalter
Stich fuhr mir durch den Rücken, als seine Beine plötzlich einen kleinen, zuckenden
Sprung machten, aber niemand hatte es gesehen, und ich dachte mir aus, daß auch ich
ein wenig stolpern wollte, im Falle jemand aufmerksam wurde. Das wäre gewiß ein Mittel,
Neugierige glauben zu machen, es hätte da doch ein kleines, unscheinb ares Hindernis im
Wege gelegen, auf das wir zufällig beide getreten hätten. Aber während ich so auf Hülfe
sann, hatte er selbst einen neuen, ausgezeichneten Ausweg gefunden. Ich habe
vergessen zu sagen, daß er einen Stock trug; nun, es war ein einfacher Stock, aus
dunklem Holze mit einem schlichten, rund gebogenen Handgriff und es war ihm in seiner
suchenden Angst in den Sinn gekommen, diesen Stock zunächst mit einer Hand (denn
wer weiß, wozu die zweite noch nötig sein würde) auf den Rücken zu halten, gerade über
die Wirbelsäule, ihn fest ins Kreuz zu drücken und das Ende der runden Krücke in den
Kragen zu schieben, so daß man es hart und wie einen Halt hinter dem Halswirbel und
dem ersten Rückenwirbel spürte. Das war eine Haltung, die nicht auffällig, höchstens ein
wenig übermütig war; der unerwartete Frühlingstag konnte das entschuldigen. Niemandem
fiel es ein, sich umzusehen, und nun ging es. Es ging vortrefflich. Frei lich beim nächsten
Straßenübergange kamen zwei Hüpfer aus, zwei kleine, halbunterdrückte Hüpfer, die
vollkommen belanglos waren; und der eine, wirklich sichtbare Sprung war so geschickt
angebracht (es lag gerade ein Spritzschlauch quer über dem Weg), daß nichts zu
befürchten war. Ja, noch ging alles gut; von Zeit zu Zeit griff auch die zweite Hand an den
Stock und preßte ihn fester an, und die Gefahr war gleich wieder überstanden. Ich konnte
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