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Ja, aber denke nur, ich bildete mir
ein, Du könntest kommen. Hättest Du mir vielleicht
sagen können, ob es einen Arzt
giebt? Ich habe vergessen, mich danach zu erkundigen. Übrigens
brauche ich es jetzt nicht mehr. Erinnerst
Du Dich an Baudelaires unglaubliches Gedicht »Une Charogne« ? Es kann
sein, daß
ich es jetzt verstehe. Abgesehen von der letzten Strophe war er im Recht. Was
sollte er tun,
da ihm das widerfuhr? Es war seine Aufgabe, in diesem Schrecklichen, scheinbar
nur Widerwärtigen
das Seiende zu sehen, das unter allem Seienden gilt . Auswahl und
Ablehnung giebt es nicht. Hältst
Du es für einen Zufall, daß Flaubert seinen Saint-Julien-
lHospitalier geschrieben hat?
Es kommt mir vor, als wäre das das Entscheidende: ob
einer es über sich bringt, sich
zu dem Aussätzigen zu legen und ihn zu erwärmen mit der
Herzwärme der Liebesnächte,
das kann nicht anders als gut ausgehen . Glaube
nur nicht, daß ich hier an Enttäuschungen leide, im Gegenteil. Es wundert
mich manchmal,
wie bereit ich alles Erwartete aufgebe für das Wirkliche, selbst wenn es
arg ist. Mein
Gott, wenn etwas davon sich teilen ließe. Aber wäre
es dann, wäre es dann? Nein,
es ist nur um den Preis des Alleinseins.
Die Existenz des Entsetzlichen in jedem
Bestandteil der Luft. Du atmest es ein mit Durchsichtigem;
in dir aber schlägt es sich nieder, wird hart, nimmt spitze,
geometrische Formen an zwischen den
Organen; denn alles, was sich an Qua l und Grauen
begeben hat auf den Richtplätzen, in den Folterstuben, den Tollhäusern,
den Operationssälen,
unter den Brückenbögen im Nachherbst: alles das ist von einer zähen
Unvergänglichkeit,
alles das besteht auf sich und hängt, eifersü chtig auf alles Seiende,
an seiner schrecklichen
Wirklichkeit. Die Menschen möchten vieles davon vergessen dürfen;
ihr Schlaf feilt sanft über solche
Furchen im Gehirn, aber Träume drängen ihn ab und
ziehen die Zeichnungen nach. Und sie
wachen auf und keuchen und lassen e iner Kerze Schein
sich auflösen in der Finsternis und trinken, wie gezuckertes W asser, die
halbhelle Beruhigung.
Aber, ach, auf welcher Kante hält sich diese Sicherheit. Nur eine geringste
Wendung, und
schon wieder steht der Blick über Bekanntes und Freundliches hinaus, und
der eben noch
so tröstliche Kontur wird deutlicher als ein Rand von Grauen. Hüte dich
vor dem Licht,
das den Raum hohler macht; sieh dich nicht um, ob nicht vielleicht ein Schatten
hinter deinem
Aufsitzen aufsteht wie dein Herr. Besser vielleicht, du wärest in der
Dunkelheit geblieben und dein unabgegrenztes
Herz hätte versucht, all des Ununterscheidbaren
schweres Herz zu sein. Nun hast du dich zusammengenom men in
dich, siehst dich vor dir aufhören
in deinen Händen, ziehst von Zeit zu Zeit mit einer
ungenauen Bewegung dein Gesicht nach.
Und in dir ist beinah kein Raum; u nd fast stillt es
dich, daß in dieser Engheit in dir unmöglich sehr Großes sic h
aufhalten kann; daß auch das
Unerhörte binnen werden muß und sich beschränken den Verhä
ltnissen nach. Aber draußen,
draußen ist es ohne Absehen; und wenn es da draußen st eigt, so füllt
es sich auch
in dir, nicht in den Gefäßen, die teilweis in deiner Macht sind, oder
im Phlegma deiner
gleichmütigeren Organe: im Kapillaren nimmt es zu, röhrig aufwärts
gesaugt in die äußersten
Verästelungen deines zahlloszweigigen Daseins. Dort h ebt es sich, dort
übersteigt es dich, kommt höher
als dein Atem, auf den du dich hinaufflüchtest wie auf
deine letzte Stelle. Ach, und wohin
dann, wohin dann? Dein Herz treibt dich aus dir hinaus,
dein Herz ist hinter dir her, und du
stehst fast schon außer dir und kannst nicht mehr
zurück. Wie ein Käfer, auf
den man tritt, so quillst du aus dir hi naus, und dein bißchen
obere Härte und Anpassung ist
ohne Sinn. O
Nacht ohne Gegenstände. O stumpfes Fenster hinaus, o sorgsam versch lossene
Türen; Einrichtungen
von alters her, übernommen, beglaubigt, nie ganz verstanden. O Stille im
Stiegenhaus,
Stille aus den Nebenzimmern, Stille hoch oben an der Decke. O Mutter: o
du Einzige, die
alle diese Stille verstellt hat, einst in der Kindheit. Die sie auf sich nimmt,
sagt: erschrick
nicht, ich bin es. Die den Mut hat, ganz in der Nacht diese Stille zu sein für
das, was sich
fürchtet, was verkommt vor Furcht. Du zündest ein Licht an, und schon
das
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