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was du in ihrem Munde findest. Denk: er ist schlecht geworden, und tu ihn ab. Nimm einen
andern an, irgendeinen, damit Gott dich rufen kann in der Nacht. Und verbirg ihn vor allen.
Du Einsamster, Abseitiger, wie haben sie dich eingeholt auf deinem Ruhm. Wie lang ist es
her, da waren sie wider dich von Grund aus, und jetzt gehen sie mit dir um, wie mit
ihresgleichen. Und deine Worte führen sie mit sich in den Käfigen ihres Dünkels und
zeigen sie auf den Plätzen und reizen sie ein wenig von ihrer Sicherh eit aus. Alle deine
schrecklichen Raubtiere.
Da las ich dich erst, da sie mir ausbrachen und mich anfielen in meiner Wüste, die
Verzweifelten. Verzweifelt, wie du selber warst am Schluß, du, dessen Bahn falsch
eingezeichnet steht in allen Karten. Wie ein Sprung geht sie durch die Himmel, diese
hoffnungslose Hyperbel deines Weges, die sich nur einmal heranbiegt an u ns und sich
entfernt voll Entsetzen. Was lag dir daran, ob eine Frau bleibt oder fortgeht und ob einen
der Schwindel ergreift und einen der Wahnsinn und ob Tote lebendig sind und Lebendige
scheintot: was lag dir daran? Dies alles war so natürlich für dich ; da gingst du durch, wie
man durch einen Vorraum geht, und hieltst dich nicht auf. Aber dort weiltest du und warst
gebückt, wo unser Geschehen kocht und sich niederschlägt und die F arbe verändert,
innen. Innerer als dort, wo je einer war; eine Tür war dir aufgesprungen, und nun warst du
bei den Kolben im Feuerschein. Dort, wohin du nie einen mitnahmst, Mißtrauischer, dort
saßest du und unterschiedest Übergänge. Und dort, weil das Aufzeigen dir im Blute war
und nicht das Bilden oder das Sagen, dort faßtest du den ungeheuren E ntschluß, dieses
Winzige, das du selber zuerst nur durch Gläser gewahrtest, ganz allein gleich so zu
vergrößern, daß es vor Tausenden sei, riesig, vor allen. Dein Theater entstand. Du
konntest nicht warten, daß dieses fast raumlose von den Jahrhunderten zu Tropfen
zusammengepreßte Leben von den anderen Künsten gefunden und allmä hlich
versichtbart werde für einzelne, die sich nach und nach zusammenfinden zur Einsicht und
die endlich verlangen, gemeinsam die erlauchten Gerüchte bestätigt zu sehen im
Gleichnis der vor ihnen aufgeschlagenen Szene. Dies konntest du nicht ab warten, du
warst da, du mußtest das kaum Meßbare: ein Gefühl, das um einen halben Grad stieg,
den Ausschlagswinkel eines von fast nichts beschwerten Willens, den du a blasest von
ganz nah, die leichte Trübung in einem Tropfen Sehnsucht und dieses Nichts von
Farbenwechsel in einem Atom von Zutrauen: dieses mußtest du feststellen und
aufbehalten; denn in solchen Vorgängen war jetzt das Leben, unser Leb en, das in uns
hineingeglitten war, das sich nach innen zurückgezogen hatte, so tief, daß es kaum noch
Vermutungen darüber gab.
So wie du warst, auf das Zeigen angelegt, ein zeitlos tragischer Dichter , mußtest du
dieses Kapillare mit einem Schlag umsetzen in die überzeugendsten Gebärden, in die
vorhandensten Dinge. Da gingst du an die beispiellose Gewalttat deines W erkes, das
immer ungeduldiger, immer verzweifelter unter dem Sichtbaren nach den Äquivalenten
suchte für das innen Gesehene. Da war ein Kaninchen, ein Bodenraum, ein Saal, in dem
einer auf und nieder geht: da war ein Glasklirren im Nebenzimmer, ein Brand vor den
Fenstern, da war die Sonne. Da war eine Kirche und ein Felsental, das ei ner Kirche glich.
Aber das reichte nicht aus; schließlich mußten die Türme herein und die ganzen Gebirge;
und die Lawinen, die die Landschaften begraben, verschütteten die mit Greifbarem
überladene Bühne um des Unfaßlichen willen. Da konntst du nicht mehr. Die beiden
Enden, die du zusammengebogen hattest, schnellten auseinander; deine wah nsinnige
Kraft entsprang aus dem elastischen Stab, und dein Werk war wie nicht.
Wer begriffe es sonst, daß du zum Schluß nicht von Fenster fortwolltest, eigensinnig wie
du immer warst Die Vorübergehenden wolltest du sehen; denn es war dir der Gedanke
gekommen, ob man nicht eines Tages etwas machen könnte aus ihnen, wen n man sich
entschlösse anzulangen.
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