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gesehen, Malte, ich hab es gesehen.
Er lief ihr entgegen, obwohl sie nic ht kam; für ihn
kam sie. Wir begriffen, daß er
ihr entgegenlief. Zweimal sah er sich nach uns um, als ob er
fragte. Dann raste er auf sie zu, wie
immer, Malte, genau wie immer, und erreichte sie; denn
er begann rund herum zu springen, Malte, um etwas, was nicht da war, und dann
hinauf an ihr,
um sie zu lecken, gerade hinauf. Wir hörten ihn winseln vor Freude, und wie
er so in die Höhe
schnellte, mehrmals rasch hintereinander, hätte man wirklich meinen
können, er verdecke sie uns mit
seinen Sprüngen. Aber da heulte es auf einmal, und er
drehte sich von seinem eigenen Schwunge
in der Luft um und stürzte zurück, merkwürdig
ungeschickt, und lag ganz eigentümlich
flach da und rührte sich ni cht. Von der andern Seite
trat der Diener aus dem Hause mit den Briefen. Er zögerte eine Weile; offenbar
war es nicht
ganz leicht, auf unsere Gesichter zuzugehen. Und dein Vater win kte ihm auch
schon, zu bleiben. Dein Vater, Malte,
liebte keine Tiere; aber nun ging er doch hin, langsam,
wie mir schien, und bückte sich über den Hund. Er sagte etwas zu dem
Diener, irgend
etwas Kurzes, Einsilbiges. Ich sah, wie der Diener hinzusprang, um Cavalier
aufzuheben. Aber da nahm dein Vater
selbst das Tier und ging damit, als wüßte er genau
wohin, ins Haus hinein.
Einmal, als es
über dieser Erzählung fast dunkel geworden war, war ich nahe daran,
Maman von der
»Hand« zu erzählen: in diesem Augenblick hätte ich es
gekonnt. Ich atmete
schon auf, um anzufangen, aber da fiel mir ein, wie gut ich den D iener
begriffen hatte, daß er nicht
hatte kommen können auf ihre Gesichter zu. Und ich fürchtete
mich trotz der Dunkelheit vor Mamans
Gesicht, wenn es sehen würde, wa s ich gesehen habe.
Ich holte rasch noch einmal Atem, damit es den Anschein habe, als hätte
ich nichts anderes
gewollt. Ein paar Jahre hernach, nach der merkwürdigen Nacht in der
Galerie auf Urnekloster,
ging ich tagelang damit um, mich dem kleinen Erik anzuvertrauen. Aber er
hatte sich nach unserem nächtlichen
Gespräch wieder ganz vor mir z ugeschlossen, er vermied
mich; ich glaube, daß er mich verachtete. Und gerade deshalb wollte ich ihm
von der »Hand«
erzählen. Ich bildete mir ein, ich würde in seiner Meinung gewinnen
(und das wünschte
ich dringend aus irgendeinem Grunde), wenn ich ihm begreiflich machen
könnte, daß ich das wirklich
erlebt hatte. Erik aber war so geschickt im Ausweichen, daß
es nicht dazu kam. Und dann reisten
wir ja auch gleich. So ist es, wunde rlich genug, das erstemal,
daß ich (und schließlich auch nur mir selber) eine Beg ebenheit erzähle,
die nun weit
zurückliegt in meiner Kindheit. Wie
klein ich damals noch gewesen sein muß, sehe ich daran, daß ic h auf
dem Sessel kniete,
um bequem auf den Tisch hinaufzureichen, auf dem ich zeichnete. Es war am
Abend, im Winter, wenn ich nicht irre,
in der Stadtwohnung. Der Tisch stand in meinem Zimmer,
zwischen den Fenstern, und es war keine Lampe im Zimmer, als die , die auf
meine Blätter schien und auf Mademoiselles
Buch; denn Mademoiselle sa ß neben mir, etwas
zurückgerückt, und las. Sie war weit weg, wenn sie las, ich weiß
nicht, ob sie im Buche
war; sie konnte lesen, stundenlang, sie blätterte selten um, und ich hatte
den Eindruck,
als würden die Seiten immer voller unter ihr, als schaute sie Worte hinzu,
bestimmte Worte,
die sie nötig hatte und die nicht da waren Das kam mir so vor, während
ich zeichnete.
Ich zeichnete langsam, ohne sehr entschiedene Absicht, und sah alles,
wenn ich nicht weiter wußte, mit
ein wenig nach rechts geneigtem Kopfe an; so fiel mir immer
am raschesten ein, was noch fehlte. Es waren Offiziere zu Pferd, die in die Schlacht
ritten, oder
sie waren mitten drin, und das war viel einfacher, weil dann fast nur der Rauch
zu machen war,
der alles einhüllte. Maman freilich behauptet nun immer, daß es Inseln
gewesen waren,
was ich malte; Inseln mit großen Bäumen und einem S chloß und einer
Treppe und Blumen
am Rand, die sich spiegeln sollten im Wasser. Aber ich glaube, das
erfindet sie, oder es muß später
gewesen sein.
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