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Es ist ausgemacht, daß ich an jenem Abend einen Ritter zeichnete, einen einzelnen, sehr
deutlichen Ritter auf einem merkwürdig bekleideten Pferd. Er wurde so bunt, daß ich oft
die Stifte wechseln mußte, aber vor allem kam doch der rote in Betracht, nach dem ich
immer wieder griff. Nun hatte ich ihn noch einmal nötig; da rollte er (ich sehe ihn noch)
quer über das beschienene Blatt an den Rand und fiel, ehe ichs verhin dern konnte, an mir
vorbei hinunter und war fort. Ich brauchte ihn wirklich dringend, und es war recht ärgerlich,
ihm nun nachzuklettern. Ungeschickt, wie ich war, kostete es mich allerh and
Veranstaltungen, hinunterzukommen; meine Beine schienen mir viel zu lang, ich konnte
sie nicht unter mir hervorziehen; die zu lange eingehaltene knieende Stellung hatte meine
Glieder dumpf gemacht; ich wußte nicht, was zu mir und was zum Sessel gehörte. Endlich
kam ich doch, etwas konfus, unten an und befand mich auf einem Fell, das sich unter dem
Tisch bis gegen die Wand hinzog. Aber da ergab sich eine neue Schwierigk eit. Eingestellt
auf die Helligkeit da oben und noch ganz begeistert für die Farben auf dem weißen Papier,
vermochten meine Augen nicht das geringste unter dem Tisch zu erkennen, wo mir das
Schwarze so zugeschlossen schien, daß ich bange war, daran zu stoß en. Ich verließ mich
also auf mein Gefühl und kämmte, knieend und auf die linke gestützt, mit der andern Hand
in dem kühlen, langhaarigen Teppich herum, der sich recht vertraulich anfühlte; nur daß
kein Bleistift zu spüren war. Ich bildete mir ein, eine Menge Zeit zu verlieren, und wollte
eben schon Mademoiselle anrufen und sie bitten, mir die Lampe zu halten, als ich merkte,
daß für meine unwillkürlich angestrengten Augen das Dunkel nach und nach
durchsichtiger wurde. Ich konnte schon hinten die Wand unterscheiden, die mit einer
hellen Leiste abschloß; ich orientierte mich über die Beine des Tisches; ich erkannte vor
allem meine eigene, ausgespreizte Hand, die sich ganz allein, ein biß chen wie ein
Wassertier, da unten bewegte und den Grund untersuchte. Ich sah ihr, weiß ich noch, fast
neugierig zu; es kam mir vor, als könnte sie Dinge, die ich sie nicht gelehrt hatte, wie sie
da unten so eigenmächtig herumtastete mit
hatte. Ich verfolgte sie, wie sie vordrang, es interessierte mich, ich war auf allerhand
vorbereitet. Aber wie hätte ich darauf gefaßt sein sollen, daß ihr mit einem Male aus der
Wand eine andere Hand entgegenkam, eine größere, ungewöhnlich m agere Hand, wie ich
noch nie eine gesehen hatte. Sie suchte in ähnlicher Weise von der an deren Seite her,
und die beiden gespreizten Hände bewegten sich blind aufeinander zu. Meine Neugierde
war noch nicht aufgebraucht, aber plötzlich war sie zu Ende, und es w ar nur Grauen da.
Ich fühlte, daß die eine von den Händen mir gehörte und daß sie sich da in etwas einließ,
was nicht wieder gutzumachen war. Mit allem Recht, das ich auf sie hatte, hielt ich sie an
und zog sie flach und langsam zurück, indem ich die andere nicht aus den Augen ließ, die
weitersuchte. Ich begriff, daß sie es nicht aufgeben würde, ich ka nn nicht sagen, wie ich
wieder hinaufkam. Ich saß ganz tief im Sessel, die Zähne schlugen mir aufeinander, und
ich hatte so wenig Blut im Gesicht, daß mir schien, es wäre kein Blau mehr in meinen
Augen.
Mademoiselle -, wollte ich sagen und konnte es nicht, aber da erschrak s ie von selbst, sie
warf ihr Buch hin und kniete sich neben den Sessel und rief meinen Namen ; ich glaube,
daß sie mich rüttelte. Aber ich war ganz bei Bewußtsein. Ich schluckte ein paarmal; denn
nun wollte ich es erzählen.
Aber wie? Ich nahm mich unbeschreiblich zusammen, aber es war nicht ausz udrücken, so
daß es einer begriff. Gab es Worte für dieses Ereignis, so war ich zu klein, welche zu
finden. Und plötzlich ergriff mich die Angst, sie könnten doch, über mein Alter hinaus, auf
einmal da sein, diese Worte, und es schien mir fürchterlicher als alles, sie dann sagen zu
müssen. Das Wirkliche da unten noch einmal durchzumachen, anders, abg ewandelt, von
Anfang an; zu hören, wie ich es zugebe, dazu hatte ich keine Kraft me hr.
Es ist natürlich Einbildung, wenn ich nun behaupte, ich hätte in jener Zeit schon gefühlt,
daß da etwas in mein Leben gekommen sei, geradeaus in meines, womit i ch allein würde
herumgehen müssen, immer und immer. Ich sehe mich in meinem kleinen Gitterbett liegen
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