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spielen; aber sie fielen so leicht um
auf dem schiefen Bett-Tisch und dann immer gleich die
ganze Reihe; und man war doch noch nicht so ganz im Leben drin, um i mmer wieder
von vorn anzufangen.
Plötzlich war es zuviel, und man bat, alles rech t rasch
fortzunehmen, und es tat wohl, wieder
nur die zwei Hände zu sehen, ein bißchen weiter
hin auf der leeren Decke.
Wenn Maman mal eine halbe Stunde kam
und Märchen vorlas (zum richtig en, langen Vorlesen
war Sieversen da), so war das nicht um der Märchen willen. Denn wir
waren einig darüber,
daß wir Märchen nicht liebten. Wir hatten einen anderen Begriff
vom Wunderbaren.
Wir fanden, wenn alles mit natürlichen Dingen zuginge, so wäre das immer
am wunderbarsten.
Wir gaben nicht viel darauf, durch die Luft zu fliegen, die Feen
enttäuschten uns, und von den
Verwandlungen in etwas anderes erwarteten wir uns nur eine
sehr oberflächliche Abwechslung. Aber wir lasen doch ein bißchen, um
beschäftigt auszusehen;
es war uns nicht angenehm, wenn irgend jemand eintrat, erst erklären zu
müssen, was wir gerade taten;
besonders Vater gegenüber waren wir von einer übertriebenen
Deutlichkeit. Nur
wenn wir ganz sicher waren, nicht gestört zu sein, und es dämmerte draußen,
konnte es geschehen,
daß wir uns Erinnerungen hingaben, gemeinsamen Erinnerungen, die uns
beiden alt schienen und über die
wir lächelten; denn wir waren beide groß geworden
seither. Es fiel uns ein, daß
es eine Zeit gab, wo Maman wünschte, daß ich ein kleines
Mädchen wäre und nicht dieser
Junge, der ich nun einmal war. Ich h atte das irgendwie
erraten, und ich war auf den Gedanken
gekommen, manchmal nachmittags an Mamans Türe
zu klopfen. Wenn sie dann fragte, wer da wäre, so war ich glü cklich,
draußen »Sophie«
zu rufen, wobei ich meine kleine Stimme so zierlich machte, daß sie mich
in der Kehle
kitzelte. Und wenn ich dann eintrat (in dem kleinen, mädchenhaften Hauskleid,
das ich ohnehin
trug, mit ganz hinaufgerollten Ärmeln), so war ich einfach Sophie, Mamans
kleine Sophie,
die sich häuslich beschäftigte und der Maman einen Zopf flechten mußte,
damit keine Verwechslung
stattfinde mit dem bösen Malte, wenn er je wiederkäme.
Erwünscht war dies durchaus nicht;
es war sowohl Maman wie Sophie angenehm, daß er fort
war, und ihre Unterhaltungen (die Sophie immerzu mit der gleichen, hohen Stimme
fortsetzte) bestanden
meistens darin, daß sie Maltes Unarten aufzählten und sich über
ihn beklagten.
»Ach ja, dieser Malte«, seufzte Maman. Und Sophie wußte eine Menge
über die
Schlechtigkeit der Jungen im allgemeinen, als kennte sie einen ganzen Haufen.
»Ich möchte
wohl wissen, was aus Sophie geworden ist«, sagte Ma man dann plötzlich
bei solchen Erinnerungen.
Darüber
konnte nun Malte freilich keine Auskunft geben. Aber wenn Maman vorschlug,
daß sie gewiß gestorben sei,
dann widersprach er eigensinnig und b eschwor sie, dies
nicht zu glauben, so wenig sich sonst
auch beweisen ließe.
Wenn ich das
jetzt überdenke, kann ich mich wundern, daß ich aus de r Welt dieser
Fieber doch immer
wieder ganz zurückkam und mich hineinfand in das ü beraus
gemeinsame Leben, wo jeder im Gefühl
unterstützt sein wollte, bei Bekanntem zu sein,
und wo man sich so vorsichtig im Verständlichen vertrug. Da wurde etwas erwartet,
und es kam oder
es kam nicht, ein Drittes war ausgeschlossen. Da gab es Dinge, die
traurig waren, ein- für allemal,
es gab angenehme Dinge und eine ganze Menge nebensächlicher.
Wurde aber einem eine Freude bereitet, so war es eine Freude, und er
hatte sich danach zu benehmen. Im Grunde
war das alles sehr einfach, und wenn man es erst
heraus hatte, so machte es sich wie von selbst. In diese verabredeten Grenzen
ging denn auch
alles hinein; die langen, gleichmäßigen Schulstunden, we nn draußen
der Sommer war;
die Spaziergänge, von denen man französisch erzählen mußte;
die Besuche,
für die man hereingerufen wurde und die einen drollig fanden, wenn man gerade
traurig war,
und sich an einem belustigten wie an dem betrübten Gesicht gewisser Vögel,
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