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meine Geschicklichkeit im Auffangen war über allen Zweifel. Ich merkte nicht die
Versuchung in dieser rasch wachsenden Sicherheit. Zu meinem Verhängni s fehlte nur
noch, daß der letzte Schrank, den ich bisher meinte nicht öffnen z u können, eines Tages
nachgab, um mir; statt bestimmter Trachten, allerhand vages Maskenzeug auszuliefern,
dessen phantastisches Ungefähr mir das Blut in die Wangen trieb. Es läßt sich nicht
aufzählen, was da alles war. Außer einer Bautta, deren ich mich en tsinne, gab es Dominos
in verschiedenen Farben, es gab Frauenröcke, die hell läuteten von den Münzen, mit
denen sie benäht waren; es gab Pierrots, die mir albern vorkamen, und faltige, türkische
Hosen und persische Mützen, aus denen kleine Kampfersäckchen herau sglitten, und
Kronreifen mit dummen, ausdruckslosen Steinen. Dies alles verachtete ich ein wenig; es
war von so dürftiger Unwirklichkeit und hing so abgebalgt und armsä lig da und schlappte
willenlos zusammen, wenn man es herauszerrte ans Licht. Was mich aber in eine Art von
Rausch versetzte, das waren die geräumigen Mäntel, die Tücher, die Schals, die Schleier,
alle diese nachgiebigen, großen, unverwendeten Stoffe, die weich und schmeichelnd
waren oder so gleitend, daß man sie kaum zu fassen bekam, oder so lei cht, daß sie wie
ein Wind an einem vorbeiflogen, oder einfach schwer mit ihrer ganzen Las t. In ihnen erst
sah ich wirklich freie und unendlich bewegliche Möglichkeiten: eine Sklavin zu sein, die
verkauft wird, oder Jeanne dArc zu sein oder ein alter König oder ein Zauberer; das alles
hatte man jetzt in der Hand, besonders da auch Masken da waren, große drohende oder
erstaunte Gesichter mit echten Bärten und vollen oder hochgezogenen Augenbrauen. Ich
hatte nie Masken gesehen vorher, aber ich sah sofort ein, daß es Mask en geben müsse.
Ich mußte lachen, als mir einfiel, daß wir einen Hund hatten, der sich ausnahm, als trüge
er eine. Ich stellte mir seine herzlichen Augen vor, die immer wie von hinten hineinsahen
in das behaarte Gesicht. Ich lachte noch, während ich mich verkleidet e, und ich vergaß
darüber völlig, was ich eigentlich vorstellen wollte. Nun, es war neu und spannend, das
erst nachträglich vor dem Spiegel zu entscheiden. Das Gesicht, das ic h vorband, roch
eigentümlich hohl, es legte sich fest über meines, aber ich konnte bequem durchsehen,
und ich wählte erst, als die Maske schon saß, allerhand Tücher, die ich in der Art eines
Turbans um den Kopf wand, so daß der Rand der Maske, der unten in ein en riesigen
gelben Mantel hineinreichte, auch oben und seitlich fast ganz verdeckt war. Schließlich,
als ich nicht mehr konnte, hielt ich mich für hinreichend vermummt. Ich ergriff noch einen
großen Stab, den ich, soweit der Arm reichte, neben mir hergehen ließ, und schleppte so,
nicht ohne Mühe, aber, wie mir vorkam, voller Würde, in das Fremdenzimmer hinein auf
den Spiegel zu.
Das war nun wirklich großartig, über alle Erwartung. Der Spiegel gab es auch
augenblicklich wieder, es war zu überzeugend. Es wäre gar nicht nö tig gewesen, sich viel
zu bewegen; diese Erscheinung war vollkommen, auch wenn sie nichts tat. Aber es galt zu
erfahren, was ich eigentlich sei, und so drehte ich mich ein wenig und erhob schließlich die
beiden Arme: große, gleichsam beschwörende Bewegungen, das war, wi e ich schon
merkte, das einzig Richtige. Doch gerade in diesem feierlichen Moment vernahm ich,
gedämpft durch meine Vermummung, ganz in meiner Nähe einen vielfac h
zusammengesetzten Lärm; sehr erschreckt, verlor ich das Wesen da drü ben aus den
Augen und war arg verstimmt, zu gewahren, daß ich einen kleinen, rund en Tisch
umgeworfen hatte mit weiß der Himmel was für, wahrscheinlich sehr zerbrechlichen
Gegenständen. Ich bückte mich so gut ich konnte und fand meine schlimmste Erwartung
bestätigt: es sah aus, als sei alles entzwei. Die beiden überflüssigen, grün-violetten
Porzellanpapageien waren natürlich, jeder auf eine andere boshafte Art, zerschlagen. Eine
Dose, aus der Bonbons rollten, die aussahen wie seidig eingepuppte Insek ten, hatte ihren
Deckel weit von sich geworfen, man sah nur seine eine Hälfte, die andere war überhaupt
fort. Das Ärgerlichste aber war ein in tausend winzige Scherben zerschellter Flacon, aus
dem der Rest irgendeiner alten Essenz herausgespritzt war, der nun einen Fleck von sehr
widerlicher Physiognomie auf dem klaren Parkett bildete. Ich trocknete ihn schnell mit
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