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irgendwas auf, das an mir herunterhing,
aber er wurde nur schwärzer und unangenehmer. Ich
war recht verzweifelt. Ich erhob mich und suchte nach irgendeinem Ge genstand,
mit dem ich das
alles gutmachen konnte. Aber es fand sich keiner. Auch war ich so behindert
im Sehen und in jeder Bewegung, daß
die Wut in mir aufstieg gegen mei nen unsinnigen Zustand,
den ich nicht mehr begriff. Ich zerrte an allem, aber es schloß sich
nur noch enger
an. Die Schnüre des Mantels würgten mich, und das Zeug auf meinem Kopfe
drückte,
als käme immer noch mehr hinzu. Dabei war die Luft trü be geworden und
wie beschlagen
mit dem ältlichen Dunst der verschütteten Flüssigkei t.
Heiß und zornig stürzte ich
vor den Spiegel und sah mühsam durc h die Maske durch, wie
meine Hände arbeiteten. Aber darauf
hatte er nur gewartet. Der Augenblick der Vergeltung war
für ihn gekommen. Während ich in maßlos zunehmender Beklemm ung
mich anstrengte,
mich irgendwie aus meiner Vermummung hinauszuzwängen, nötigte er mich,
ich weiß
nicht womit, aufzusehen und diktierte mir ein Bild, nein, eine Wirklichkeit, eine
fremde, unbegreifliche
monströse Wirklichkeit, mit der ich durchtränkt wurde gegen
meinen Willen: denn jetzt war er der
Stärkere, und ich war der Spiegel. Ich starrte diesen
großen, schrecklichen Unbekannten
vor mir an, und es schien mir ungeh euerlich, mit ihm allein
zu sein. Aber in demselben Moment, da ich dies dachte, geschah da s Äußerste:
ich verlor allen
Sinn, ich fiel einfach aus. Eine Sekunde lang hatte ich ein e unbeschreibliche,
wehe und vergebliche
Sehnsucht nach mir, dann war nur noch er: es war ni chts außer
ihm. Ich
rannte davon, aber nun war er es, der rannte. Er stieß überall an, er
kannte das Haus nicht,
er wußte nicht wohin; er geriet eine Treppe hinunter, er fiel auf dem Gange
über eine
Person her, die sich schreiend freimachte. Eine Tür ging auf, es traten mehrere
Menschen heraus:
Ach, ach, was war das gut, sie zu kennen. Das war Sieversen, die gute
Sieversen, und das Hausmädchen
und der Silberdiener: nun mußte es sich entscheiden.
Aber sie sprangen nicht herzu und retteten;
ihre Grausamkeit war ohne Gr enzen. Sie standen
da und lachten, mein Gott, sie konnten dastehn und lachen. Ich w einte, aber die
Maske ließ
die Tränen nicht hinaus, sie rannen innen über mein Gesicht und
trockneten gleich
und rannen wieder und trockneten. Und endlich kniete ich hin vor ihnen,
wie nie ein Mensch
gekniet hat; ich kniete und hob meine Hände zu ihnen auf und f lehte:
»Herausnehmen, wenn es noch geht,
und behalten«, aber sie hörten es nicht; ich hatte
keine Stimme mehr. Sieversen erzählte
bis an ihr Ende, wie ich umgesu nken wäre und wie
sie immer noch weitergelacht hätten in der Meinung, das gehöre dazu.
Sie waren es so
gewöhnt bei mir. Aber dann wäre ich doch immerzu liegengeblieben und
hätte nicht geantwortet.
Und der Schrecken, als sie endlich entdeckten, daß ich ohne Besinnung sei
und dalag wie
ein Stück in allen den Tüchern, rein wie ein Stüc k.
Die Zeit ging
unberechenbar schnell, und auf einmal war es schon wieder s o weit, daß
der Prediger Dr. Jespersen geladen
werden mußte. Das war dann für alle Teile ein
mühsames und langwieriges Frühstück.
Gewohnt an die sehr fromme Nachbarschaft, die
sich jedesmal ganz auflöste um seinetwillen, war er bei uns durchaus nicht
an seinem Platz;
er lag sozusagen auf dem Land und schnappte. Die Kiemenatmung, die er an sich
ausgebildet hatte,
ging beschwerlich vor sich, es bildeten sich Blasen, und das Ganze war
nicht ohne Gefahr. Gesprächsstoff
war, wenn man genau sein will, überhaupt keiner da;
es wurden Reste veräußert
zu unglaublichen Preisen, es war eine Liquidation aller
Bestände. Dr. Jespersen mußte
sich bei uns darauf beschränken, eine Art von Privatmann
zu sein; das gerade aber war er nie
gewesen. Er war, soweit er denken ko nnte, im Seelenfach
angestellt. Die Seele war eine öffentliche Institution für ihn, die
er vertrat, und er
brachte es zuwege, niemals außer Dienst zu sein, selbst nicht im Umgang mit
seiner Frau,
»seiner bescheidenen, treuen, durch Kindergebären seligwerdenden Rebekka«,
wie Lavater sich
in einem anderen Fall ausdrückte.
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