| |
man ihnen von diesem verschlossenen
Zimmer, in dem sie sich nun glück lich befanden, alles
erzählt hatte. Vor
allem aber schien den Hunden der Aufenthalt in einem Raum, wo alle D inge rochen,
ungemein anregend.
Die großen, schmalen russischen Windhunde liefen beschäftigt hinter
den Lehnstühlen
hin und her, durchquerten in langem Tanzschritt mit w iegender
Bewegung das Gemach, hoben sich wie
Wappenhunde auf und schauten, die sc hmalen Pfoten
auf das weißgoldene Fensterbrett gestützt, mit spitzem, gespanntem Gesicht
und zurückgezogener
Stirn nach rechts und nach links in den Hof. Kleine, handschuhgelbe
Dachshunde saßen, mit Gesichtern,
als wäre alles ganz in der Ordnung, in dem breiten,
seidenen Polstersessel am Fenster, und
ein stichelhaariger, mürrisch aussehender Hühnerhund
rieb seinen Rücken an der Kante eines goldbeinigen Tisc hes, auf dessen
gemalter Platte die Sèvrestassen
zitterten. Ja,
es war für diese geistesabwesenden, verschlafenen Dinge eine schr eckliche
Zeit. Es passierte,
daß aus Büchern, die irgend eine hastige Hand ungeschic kt geöffnet
hatte, Rosenblätter
heraustaumelten, die zertreten wurden; kleine, schwächliche Gegenstände
wurden ergriffen
und, nachdem sie sofort zerbrochen waren, schnell wieder hingelegt,
manches Verbogene auch unter Vorhänge
gesteckt oder gar hinter das goldene Netz des Kamingitters
geworfen. Und von Zeit zu Zeit fiel etwas, fiel verhüllt auf Teppich, fiel
hell auf das
harte Parkett, aber es zerschlug da und dort, zersprang scharf oder brach fast
lautlos auf,
denn diese Dinge, verwöhnt wie sie waren, vertrugen keinerlei Fall.
Und wäre es jemandem eingefallen
zu fragen, was die Ursache von alledem sei, was über
dieses ängstlich gehütete
Zimmer alles Untergangs Fülle herabgerufen habe, - so hätte es
nur eine Antwort gegeben: der Tod.
Der Tod des Kammerherrn
Christoph Detlev Brigge auf Ulsgaard. Denn dieser lag, groß
über seine dunkelblaue Uniform
hinausquellend, mitten auf dem Fußboden und rührte sich
nicht. In seinem großen, fremden,
niemandem mehr bekannten Gesicht waren die Augen zugefallen:
er sah nicht, was geschah. Man hatte zuerst versucht, ihn auf das Bett zu
legen, aber er hatte sich dagegen gewehrt,
denn er haßte Betten seit jenen ersten Nächten,
in denen seine Krankheit gewachsen war. Auch hatte sich das Bett da oben
als zu klein
erwiesen, und da war nichts anderes übrig geblieben, als ihn so auf
den Teppich zu
legen; denn hinunter hatte er nicht gewollt. Da
lag er nun, und man konnte denken, daß er gestorben sei. Die Hunde hatten
sich, da es langsam
zu dämmern begann, einer nach dem anderen durch die Tür spalte gezogen,
nur der Harthaarige
mit dem mürrischen Gesicht saß bei seinem Herrn, und eine von
seinen breiten, zottigen Vorderpfoten
lag auf Christoph Detle vs
großer, grauer Hand. Auch von
der Dienerschaft standen jetzt die meisten draußen in dem weiß en Gang,
der heller war
als das Zimmer; die aber, welche noch drinnen geblieben waren, sahen manchmal
heimlich nach
dem großen, dunkelnden Haufen in der Mitte, und sie wünschten, daß
das nichts mehr
wäre als ein großer Anzug über einem verdorbenen Ding.
Aber es war noch etwas. Es war eine
Stimme, die Stimme, die noch vor sieben Wochen niemand
gekannt hatte: denn es war nicht die Stimme des Kammerherrn. Nicht Christoph
Detlev war es, welchem diese Stimme
gehörte, es war Christoph Detlevs Tod. Christoph
Detlevs Tod lebte nun schon seit vielen, vielen Tagen auf Ulsg aard und redete
mit allen und
verlangte. Verlangte, getragen zu werden, verlangte das blaue Zimmer,
verlangte den kleinen Salon, verlangte
den Saal. Verlangte die Hunde, verlangte, daß man lache,
spreche, spiele und still sei und alles zugleich. Verlangte Freunde zu sehen,
Frauen und Verstorbene,
und verlangte selber zu sterben: verlangte. Verlangte und schrie.
Denn, wenn die Nacht gekommen war und
die von den übermüden Dienst leuten, welche nicht
Wache hatten, einzuschlafen versuchten, dann schrie Christoph Detlevs Tod, schrie
und stöhnte,
brüllte so lange und anhaltend, daß die Hunde, die zuerst mitheulten,
verstummten und
nicht wagten sich hinzulegen und, auf ihren langen, schl anken,
zitternden Beinen stehend, sich fürchteten.
Und
|  |
|
| |
|
|