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Hand des fremden Dieners geschrieben in schlechtem Englisch oder in irge ndeiner
unbekannten Sprache. Vielleicht auch giebt dieser Mensch kein Zeichen von sich, wenn er
eines Tages allein zurückbleibt. Vielleicht sind sie beide längst verschwunden und stehen
nur noch auf der Schiffsliste eines verschollenen Schiffes unter Namen, die nicht die ihren
waren.
Freilich, wenn damals auf Urnekloster ein Wagen einfuhr, so erwartete ich immer, ihn
eintreten zu sehen, und mein Herz klopfte auf eine besondere Art. Mathil de Brahe
behauptete: so käme er, das wäre so seine Eigenheit, plötzlich da zu sein, wenn man es
am wenigsten für möglich hielte. Er kam nie, aber meine Einbildungskraft beschäftigte sich
wochenlang mit ihm, ich hatte das Gefühl, als wären wir einander e ine Beziehung
schuldig, und ich hätte gern etwas Wirkliches von ihm gewußt.
Als indessen bald darauf mein Interesse umschlug und infolge gewisser Begebenheiten
ganz auf Christine Brahe überging, bemühte ich mich eigentümlic herweise nicht, etwas
von ihren Lebensumständen zu erfahren. Dagegen beunruhigte mich der Gedanke, ob ihr
Bildnis wohl in der Galerie vorhanden sei. Und der Wunsch, das festzustellen, nahm so
einseitig und quälend zu, daß ich mehrere Nä
diejenige da war, in der ich, weiß Gott, aufstand und hinaufging mit meinem Licht, das sich
zu fürchten schien.
Was mich angeht, so dachte ich nicht an Furcht. Ich dachte überhaupt nicht; ich ging. Die
hohen Türen gaben so spielend nach vor mir und über mir, die Zimme r, durch die ich kam,
hielten sich ruhig. Und endlich merkte ich an der Tiefe, die mich anwehte, daß ich in die
Galerie getreten sei. Ich fühlte auf der rechten Seite die Fenster mit der Nacht, und links
mußten die Bilder sein. Ich hob mein Licht so hoch ich konnte. Ja: da waren die Bilder.
Erst nahm ich mit vor, nur nach den Frauen zu sehen, aber dann erkannte ich eines und
ein anderes, das ähnlich in Ulsgaard hing, und wenn ich sie so von un ten beschien, so
rührten sie sich und wollten ans Licht, und es schien mir herzlos, da s nicht wenigstens
abzuwarten. Da war immer wieder Christian der Vierte mit der schön geflochtenen
Cadenette neben der breiten, langsam gewölbten Wange. Da waren vermutlich seine
Frauen, von denen ich nur Kirstine Munk kannte; und plötzlich sah mich Frau Ellen
Marsvin an, argwöhnisch in ihrer Witwentracht und mit derselben Perlenschnur auf der
Krempe des hohen Huts. Da waren König Christians Kinder: immer wieder frische aus
neuen Frauen, die »unvergleichliche« Eleonore auf einem weißen Paßgänger in ihrer
glänzendsten Zeit, vor der Heimsuchung. Die Gyldenlöves: Hans Ulri k, von dem die
Frauen in Spanien meinten, daß er sich das Antlitz male, so voller Blut war er, und Ulrik
Christian, den man nicht wieder vergaß. Und beinah alle Ulfelds. Und dieser da, mit dem
einen schwarzübermalten Auge, konnte wohl Henrik Holck sein, der mit dreiunddreißig
Jahren Reichsgraf war und Feldmarschall, und das kam so: ihm träumte auf dem Wege zu
Jungfrau Hilleborg Krafse, es würde ihm statt der Braut ein bloßes Schwert gegeben: und
er nahm sichs zu Herzen und kehrte um und begann sein kurzes, verwegenes Leben, das
mit der Pest endete. Die kannte ich alle. Auch die Gesandten vom Kongreß zu Nimwegen
hatten wir auf Ulsgaard, die einander ein wenig glichen, weil sie alle auf einmal gemalt
worden waren, jeder mit der schmalen, gestutzten Bartbraue über dem sinnlichen, fast
schauenden Munde. Daß ich Herzog Ulrich erkannte, ist selbstverständlich, und Otte
Brahe und Claus Daa und Sten Rosensparre, den Letzten seines Geschlechts ; denn von
ihnen allen hatte ich Bilder im Saal zu Ulsgaard gesehen, oder ich hatte in alten Mappen
Kupferstiche gefunden, die sie darstellten.
Aber dann waren viele da, die ich nie gesehen hatte; wenige Frauen, aber es waren
Kinder da. Mein Arm war längst müde geworden und zitterte, aber ic h hob doch immer
wieder das Licht, um die Kinder zu sehen. Ich begriff sie, diese kleinen Mädchen, die
einen Vogel auf der Hand trugen und ihn vergaßen. Manchmal saß ein kleiner Hund bei
ihnen unten, ein Ball lag da, und auf dem Tisch nebenan gab es Früchte und Blumen; und
dahinter an der Säule hing, klein und vorläufig, das Wappen der Grubbe oder der Bille
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