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umzusehen, zu suchen; sie, deren Stärke
immer darin bestanden hat, gefunden zu werden.
Das kommt, glaube
ich, weil sie müde sind. Sie haben Jahrhunderte lan g die ganze Liebe
geleistet, sie haben immer den vollen
Dialog gespielt, beide Teile. Denn der Mann hat nur nachgesprochen
und schlecht. Und hat ihnen das Erlernen schwer gemacht m it seiner
Zerstreutheit, mit seiner Nachlässigkeit,
mit seiner Eifersucht, die auch eine Art Nachlässigkeit
war. Und sie haben trotzdem ausgeharrt Tag und Nacht u nd haben
zugenommen an Liebe und Elend. Und aus
ihnen sind, unter dem Druck endloser Nöte, die
gewaltigen Liebenden hervorgegangen, die, während sie ihn riefen, den Mann
überstanden;
die über ihn hinauswuchsen, wenn er nicht wiederkam, wie Gaspara Stampa
oder wie die Portugiesin, die nicht
abließen, bis ihre Qual umschlug in eine herbe, eisige
Herrlichkeit, die nicht mehr zu halten
war. Wir wissen von der und der, weil Briefe da sind, die
wie durch ein Wunder sich erhielten, oder Bücher mit anklagenden oder klagenden
Gedichten, oder
Bilder, die uns anschauen in einer Galerie durch ein Weinen durch, das
dem Maler gelang, weil er nicht wußte,
was es war. Aber es sind ihrer zahllos mehr gewesen;
solche, die ihre Briefe verbrannt haben, und andere, die keine Kraft mehr
hatten, sie zu schreiben. Greisinnen,
die verhärtet waren, mit einem Kern von Köstlichkeit
in sich, den sie verbargen. Formlose,
stark gewordene Frauen, die, stark geworden aus Erschöpfung,
sich ihren Männern ähnlich werden ließen und die doch innen ganz
anders waren,
dort, wo ihre Liebe gearbeitet hatte, im Dunkel. Gebärende, die nie gebären
wollten, und
wenn sie endlich starben an der achten Geburt, so hatten sie die Gesten und
das Leichte von Mädchen, die sich
auf die Liebe freuen. Und die, die blieben neben Tobenden
und Trinkern, weil sie das Mittel gefunden hatten, in sich so w eit von ihnen
zu sein wie nirgend
sonst; und kamen sie unter die Leute, so konnten sie es nicht verhalten
und schimmerten, als gingen sie immer
mit Seligen um. Wer kann sagen, wie viele es waren
und welche. Es ist, als hätten sie im voraus die Worte vernichtet, mit denen
man sie fassen
könnte.
Aber nun, da so vieles anders wird,
ist es nicht an uns, uns zu verändern? Könnten wir
nicht versuchen, uns ein wenig zu entwickeln,
und unseren Anteil Arbeit in der Liebe langsam
auf uns nehmen nach und nach? Man hat uns alle ihre Mühsal erspart, und
so ist sie uns unter die Zerstreuungen
geglitten, wie in eines Kindes Spiellade manchmal ein
Stück echter Spitze fällt und freut und nicht mehr freut und endlich
daliegt unter Zerbrochenem
und Auseinandergenommenem, schlechter als alles. Wir sind verdorben
vom leichten Genuß wie alle Dilettanten
und stehen im Geruch der Meis terschaft. Wie aber,
wenn wir unsere Erfolge verachteten, wie, wenn wir ganz von vorne begännen
die Arbeit der
Liebe zu lernen, die immer für uns getan worden ist? Wie, wenn wir hingingen
und Anfänger
würden, nun, da sich vieles verändert.
Nun weiß
ich auch, wie es war, wenn Maman die kleinen Spitzenstücke aufrollte. Sie
hatte nämlich
ein einziges von den Schubfächern in Ingeborgs Sekretär für sich
in Gebrauch genommen.
»Wollen
wir sie sehen, Malte«, sagte sie und freute sich, als sollte sie eben alles
geschenkt bekommen,
was in der kleinen gelblackierten Lade war. Und dann konnte sie
vor lauter Erwartung das Seidenpapier
gar nicht auseinanderschlagen. Ich mußte es tun jedesmal.
Aber ich wurde auch ganz aufgeregt, wenn die Spitzen zum Vorschein kamen.
Sie waren aufgewunden um eine Holzwelle,
die gar nicht zu sehen war vor lauter Spitzen. Und
nun wickelten wir sie langsam ab und sahen den Mustern zu, wie sie s ich abspielten,
und erschraken
jedesmal ein wenig, wenn eines zu Ende war. Sie hörten so plötzlich
auf. Da kamen
erst Kanten italienischer Arbeit, zähe Stücke mit ausgezogenen Fäden,
in denen sich
alles immerzu wiederholte, deutlich wie in einem Bauerngarten . Dann war auf
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