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einmal eine ganze Reihe unserer Blicke
vergittert mit venezianischer Nadelspitze, als ob wir
Klöster wären oder Gefängnisse. Aber es wurde wieder frei, und
man sah weit in Gärten
hinein, die immer künstlicher wurden, bis es dicht und lau an den Augen
war wie in einem
Treibhaus: prunkvolle Pflanzen, die wir nicht kannten, schlugen riesige Blätter
auf, Ranken griffen
nacheinander, als ob ihnen schwindelte, und die großen offenen Blüten
der Points dAlençon
trübten alles mit ihren Pollen. Plötzlich, ganz müde und wirr,
trat man hinaus
in die lange Bahn der Valenciennes, und es war Winter und früh am Tag
und Reif. Und
man drängte sich durch das verschneite Gebüsch der Binche und kam an
Plätze, wo noch
keiner gegangen war; die Zweige hingen so merkwürdig abwärts, es
konnte wohl ein Grab
darunter sein, aber das verbargen wir voreinander. Die Kälte drang immer
dichter an uns
heran, und schließlich sagte Maman, wenn die kleinen, ganz feinen Klöppelspitzen
kamen: »Oh,
jetzt bekommen wir Eisblumen an den Augen«, und so war es auch, denn es
war innen sehr warm in uns.
Über dem Wiederaufrollen seufzten
wir beide, das war eine lange Arbeit, aber wir mochten es
niemandem überlassen. »Denk
nun erst, wenn wir sie machen müßten«, sagte Maman und sah
förmlich erschrocken
aus. Das konnte ich mir gar nicht vorstellen. Ich ertappte m ich darauf, daß
ich an kleine
Tiere gedacht hatte, die das immerzu spinnen und die man dafü r in Ruhe läßt.
Nein, es waren
ja natürlich Frauen. »Die
sind gewiß in den Himmel gekommen, die das gemacht haben«, meinte
ich bewundernd.
Ich erinnere, es fiel mir auf, daß ich lange nicht nach dem Himmel gefragt
hatte. Maman
atmete auf, die Spitzen waren wieder beisammen. Nach
einer Weile, als ich es schon wieder vergessen hatte, sagte sie gan z langsam:
»In den
Himmel? Ich glaube, sie sind ganz und gar da drin. Wenn man das so s ieht: das
kann gut eine
ewige Seligkeit sein. Man weiß ja so wenig darüber.«
Oft, wenn Besuch
da war, hieß es, daß Schulins sich einschränkten. Das große,
alte Schloß
war abgebrannt vor ein paar Jahren, und nun wohnten sie in den beide engen
Seitenflügeln
und schränkten sich ein. Aber das Gästehaben lag ihnen nun einmal im
Blut. Das konnten
sie nicht aufgeben. Kam jemand unerwartet zu uns, so k am er
wahrscheinlich von Schulins; und sah
jemand plötzlich nach der Uhr und mußte ganz erschrocken
fort, so wurde er sicher auf Lystager erwartet. Maman
ging eigentlich schon nirgends mehr hin, aber so etwas konnten Schulins nicht
begreifen; es
blieb nichts übrig, man mußte einmal hinüberfahren. Es war im Dezember
nach ein paar
frühen Schneefällen; der Schlitten war auf drei Uhr befohlen, ich sollte
mit. Man fuhr
indessen nie pünktlich bei uns. Maman, die es nicht liebte, daß der
Wagen gemeldet
wurde, kam meistens viel zu früh herunter, und wenn sie niemanden fand, so
fiel ihr immer
etwas ein, was schon längst hätte getan sein sollen, und sie begann
irgendwo oben
zu suchen oder zu ordnen, so daß sie kaum wieder zu erreichen wa r. Schließlich
standen alle
und warteten. Und saß sie endlich und war eingepackt, so zeigte es
sich, daß etwas
vergessen sei, und Sieversen mußte geholt werden; denn nur Sieversen wußte,
wo es war. Aber
dann fuhr man plötzlich los, eh Sieversen wiederkam.
An diesem Tag war es überhaupt
nicht recht hell geworden. Die Bäume standen da, als
wüßten sie nicht weiter im
Nebel, und es hatte etwas Rechthaberisc hes, dahinein zu
fahren. Zwischendurch fing es an, still
weiterzuschneien, und nun wars, als würde auch noch
das Letzte ausradiert und als führe man in ein weißes Blatt. Es
gab nichts als das Geläut,
und man konnte nicht sagen, wo es eigentlich war. Es kam ein Moment, da
es einhielt,
als wäre nun die letzte Schelle ausgegeben; aber dann samme lte es sich wieder
und war beisammen
und streute sich wieder aus dem Vollen aus. Den Kircht urm links
konnte man sich eingebildet haben.
Aber der Parkkontur war plötzlich da, hoch, beinahe
über einem, und man befand sich
in der langen Allee. Das Geläut fiel nicht mehr ganz ab;
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