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zwischen Maman und seiner Frau und erzählte
etwas. Aber die Gräfin unterbrach ihn, sah ich,
mitten im Satze. »Nein,
Kind, das bildest du dir ein«, sagte der Graf gutmütig, aber er hatte
auf einmal dasselbe
beunruhigte Gesicht, das er vorstreckte über den beiden Damen. Die Gräfin
war von ihrer
sogenannten Einbildung nicht abzubringen. Sie sah ganz angestr engt aus, wie
jemand, der nicht gestört sein
will. Sie machte kleine, abwinkende Bewegungen mit ihren
weichen Ringhänden, jemand sagte
»sst«, und es wurde plötzlich ganz still.
Hinter den Menschen drängten sich
die großen Gegenstände aus dem alten Hause, viel
zu nah. Das schwere Familiensilber glänzte
und wölbte sich, als sä he man es durch Vergrößerungsgläser.
Mein Vater sah sich befremdet um. »Mama
riecht«, sagte Wjera Schulin hinter ihm, »da müssen wir immer alle
still sein, sie riecht
mit den Ohren«, dabei aber stand sie selbst mit hochgezogenen Augenbrauen
da, aufmerksam
und ganz Nase. Die
Schulins waren in dieser Beziehung ein bißchen eigen seit dem Bra nde. In
den engen, überheizten
Stuben kam jeden Augenblick ein Geruch auf, und dann unte rsuchte man ihn,
und jeder gab seine Meinung ab. Zoë
machte sich am Ofen zu tun, sachl ich und gewissenhaft,
der Graf ging umher und stand ein wenig in jeder Ecke und wartete; »hier
ist es nicht«,
sagte er dann. Die Gräfin war aufgestanden und wußte nicht, wo sie suchen
sollte. Mein
Vater drehte sich langsam um sich selbst, als hätte er den Geruch hinter
sich. Die Marchesin,
die sofort angenommen hatte, daß es ein garstiger Geruch sei, hielt ihr
Taschentuch vor und sah von einem zum
andern, ob es vorüber wäre. »Hier, hier«, rief
Wjera von Zeit zu Zeit, als hätte
sie ihn. Und um jedes Wort herum war es merkwürdig still.
Was mich angeht, so hatte ich fleißig
mitgerochen. Aber auf einmal (war es die Hitze in den
Zimmern oder das viele nahe Licht) überfiel mich zum erstenmal in meinem
Leben etwas wie
Gespensterfurcht. Es wurde mir klar, daß alle die deutliche n großen
Menschen, die
eben noch gesprochen und gelacht hatten, gebückt herumgingen und sich mit
etwas Unsichtbarem
beschäftigten; daß sie zugaben, daß da etwas war, was sie nicht
sahen. Und es
war schrecklich, daß es stärker war als sie alle.
Meine Angst steigerte sich. Mir war,
als könnte das, was sie suchten, plötzlich aus mir
ausbrechen wie ein Ausschlag; und dann
würden sie es sehen und nach m ir zeigen. Ganz verzweifelt
sah ich nach Maman hinüber. Sie saß eigentümlich gerade da, mir
kam vor, daß
sie auf mich wartete. Kaum war ich bei ihr und fühlte, daß sie innen
zitterte, so wußte ich,
daß das Haus jetzt erst wieder verging. »Malte,
Feigling«, lachte es irgendwo. Es war Wjeras Stimme. Aber wir ließen
einander nicht
los und ertrugen es zusammen; und wir blieben so, Maman und ich, b is das Haus
wieder ganz vergangen
war.
Am
reichsten an beinah unfaßbaren Erfahrungen waren aber doch die Geburtstage.
Man wußte
ja schon, daß das Leben sich darin gefiel, keine Untersc hiede zu machen;
aber zu diesem
Tage stand man mit einem Recht auf Freude auf, an dem nic ht zu
zweifeln war. Wahrscheinlich war das
Gefühl dieses Rechts ganz früh in einem ausgebildet
worden, zu der Zeit, da man nach allem greift und rein alles bekommt und
da man die Dinge,
die man gerade festhält, mit unbeirrbarer Einbildungskraft zu der
grundfarbigen Intensität des gerade
herrschenden Verlangens steigert. Dann
aber kommen auf einmal jene merkwürdigen Geburtstage, da man, im Bewußtsein
dieses Rechtes
völlig befestigt, die anderen unsicher werden sieht. M an möchte wohl
noch wie früher
angekleidet werden und dann alles Weitere entgegennehmen. Aber kaum ist
man wach, so ruft jemand draußen,
die Torte sei noch nicht da; oder man hört, daß etwas
zerbricht, während nebenan der
Geschenktisch geordnet wird; oder es k ommt jemand herein
und läßt die Türe offen, und man sieht alles, ehe man es hätte
sehen dürfen. Das ist
der Augenblick, wo etwas wie eine Operation an einem geschieht. Ein kurzer,
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