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gewissen Nähe streckte er sich
vor, um das letzte Stück Weg zu ersparen, und sah mich
böse an.
»Es ist nicht nötig«,
sagte er, »das heißt, ich meine, es ist vielleicht besser, wenn Sie
«
Er kam mir vernachlässigt
und abgenutzt vor in seiner sparsamen und eiligen Haltung. Ich
verneigte mich abermals; es machte sich
so, daß ich mich schon wieder verneigte. »Danke«,
sagte ich knapp. »Ich werde nicht stören.«
Ich wußte, daß ich dieses
ertragen würde und daß kein Grund da war, sich dieser Sache
zu entziehen. Das hatte so kommen müssen.
Das war vielleicht der Sinn von dem Ganzen.
Auch hatte ich nie gesehen, wie es ist, wenn jemand durch die Br ust gestochen
wird. Es schien
mir in der Ordnung, eine so merkwürdige Erfahrung nicht abzulehnen, wo
sie sich zwanglos und unbedingt einstellte.
An Enttäuschungen glaubte ich damals eigentlich
schon nicht mehr; also war nichts zu befürchten. Nein,
nein, vorstellen kann man sich nichts auf der Welt, nicht das Geringste. Es ist
alles aus so
viel einzigen Einzelheiten zusammengesetzt, die sich nicht absehen lassen. Im
Einbilden geht
man über sie weg und merkt nicht, daß sie fehlen, s chnell wie man ist.
Die Wirklichkeiten
aber sind langsam und unbeschreiblich ausführlich.
Wer hätte zum Beispiel an diesen
Widerstand gedacht. Kaum war die breite, hohe Brust bloßgelegt,
so hatte der eilige kleine Mann schon die Stelle heraus, um die es sich
handelte. Aber
das rasch angesetzte Instrument drang nicht ein. Ich hatte das Gefühl, als
wäre plötzlich
alle Zeit fort aus dem Zimmer. Wir befanden uns wie in einem Bilde. Aber
dann stürzte die Zeit nach mit
einem kleinen, gleitenden Geräusch, und es war mehr da,
als verbraucht wurde. Auf einmal klopfte
es irgendwo. Ich hatte noch nie so klopfen hören: ein
warmes, verschlossenes, doppeltes Klopfen. Mein Gehör gab es weiter, und
ich sah zugleich,
daß der Arzt auf Grund gestoßen war. Aber es dauerte eine Weile, bevor
die beiden Eindrücke
in mir zusammenkamen. So, so, dachte ich, nun ist es also durch. Das
Klopfen war, was das Tempo betrifft,
beinah schadenfroh. Ich
sah mir den Mann an, den ich nun schon so lange kannte. Nein, er war völlig
beherrscht: ein
rasch und sachlich arbeitender Herr, der gleich weiter mußte. Es war keine
Spur von Genuß
oder Genugtuung dabei. Nur an seiner linken Schläfe hatten sich ein
paar Haare aufgestellt aus irgendeinem
alten Instinkt. Er zog das Instrument vorsichtig zurück,
und es war etwas wie ein Mund da, aus dem zweimal hintereinander Blut austrat,
als sagte er
etwas Zweisilbiges. Der junge, blonde Arzt nahm es schnell mit einer
eleganten Bewegung in seine Watte auf.
Und nun blieb die Wunde ruhig, wi e ein geschlossenes
Auge. Es ist
anzunehmen, daß ich mich noch einmal verneigte, ohne diesmal r echt bei der
Sache zu sein.
Wenigstens war ich erstaunt, mich allein zu finden. Jemand hatte die
Uniform wieder in Ordnung gebracht,
und das weiße Band lag darüber wie vorher. Aber
nun war der Jägermeister tot,
und nicht er allein. Nun war das Herz d urchbohrt, unser
Herz, das Herz unseres Geschlechts.
Nun war es vorbei. Das war also das Helmzerbrechen:
»Heute Brigge und nimmermehr«, sagte etwas in mir.
An mein Herz dachte ich nicht. Und
als es mir später einfiel, wußte ich zum erstenmal
ganz gewiß, daß es hierfür
nicht in Betracht kam. Es war ein einzelnes Herz. Es war schon
dabei, von Anfang anzufangen.
Ich weiß,
daß ich mir einbildete, nicht sofort wieder abreisen zu können. Erst
muß alles geordnet
sein, wiederholte ich mir. Was geordnet sein wollte, war mir nicht klar. Es war
so gut wie nichts
zu tun. Ich ging in der Stadt umher und konstatierte, daß sie sich
verändert hatte. Es war mir angenehm,
aus dem Hôtel hinauszutreten , in dem ich abgestiegen
war, und zu sehen, daß es nun eine Stadt für Erwachsen e war, die sich
für einen
zusammennahm, fast wie für einen Fremden. Ein bißchen klein war alles
geworden, und
ich promenierte die Langelinie hinaus bis an den Leuchtturm und wied er zurück.
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