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hinaus immer gleich teilnahmslos weiterging,
daß auch draußen nichts als meine Einsamkeit
war. Die Einsamkeit, die ich über mich gebracht hatte und zu deren Größe
mein Herz in keinem
Verhältnis mehr stand. Menschen fielen mir ein, von denen ich
einmal fortgegangen war, und ich begriff
nicht, wie man Menschen verlassen konnte. Mein
Gott, mein Gott, wenn mir noch solche Nächte bevorstehen, laß mir doch
wenigstens einen
von den Gedanken, die ich zuweilen denken konnte. Es ist nicht so unvernünftig,
was ich da verlange;
denn ich weiß, daß sie gerade aus der Furcht gekommen sind, weil
meine Furcht so
groß war. Da ich ein Knabe war, schlugen sie mich ins Gesicht und
sagten mir, daß ich feige sei.
Das war, weil ich mich noch schlecht fürchtete. Aber seitdem
habe ich mich fürchten gelernt
mit der wirklichen Furcht, die nur zun immt, wenn die Kraft
zunimmt, die sie erzeugt. Wir haben
keine Vorstellung von dieser Kraft, außer in unserer
Furcht. Denn so ganz unbegreiflich
ist sie, so völlig gegen uns, daß unser Gehirn sich
zersetzt an der Stelle, wo wir uns
anstrengen, sie zu denken. Und dennoch, seit einer Weile
glaube ich, daß es unsere Kraft ist, alle unsere Kraft, die noc h zu stark
ist für uns. Es
ist wahr, wir kennen sie nicht, aber ist es nicht gerade unser Eigens tes, wovon
wir am wenigsten
wissen? Manchmal denke ich mir, wie der Himmel entstanden ist und der Tod:
dadurch, daß wir unser Kostbarstes
von uns fortgerückt haben, weil noch so viel anderes
zu tun war vorher und weil es bei uns
Beschäftigten nicht in Sicherhe it war. Nun sind Zeiten
darüber vergangen, und wir haben uns an Geringeres gewöhnt. Wir erkennen
unser Eigentum
nicht mehr und entsetzen uns vor seiner äußersten Großheit. Kann
das nicht sein?
Ich
begreife übrigens jetzt gut, daß man ganz innen in der Brieftas che
die Beschreibung einer
Sterbestunde bei sich trägt durch alle die Jahre. Es müßte nicht
einmal eine besonders
gesuchte sein; sie haben alle etwas fast Seltenes. Kann man si ch zum
Beispiel nicht jemanden vorstellen,
der sich abschreibt, wie Felix Arvers gestorben ist. Es
war im Hospital. Er starb auf eine
sanfte und gelassene Weise, und die N onne meinte vielleicht,
daß er damit schon weiter sei, als er in Wirklichkeit war. Sie rief ganz
laut irgend eine
Weisung hinaus, wo das und das zu finden wäre. Es war eine zieml ich ungebildete
Nonne; sie hatte
das Wort Korridor, das im Augenblick nicht zu vermeiden war, nie
geschrieben gesehen; so konnte es geschehen,
daß sie »Kollidor« sagte in der Meinung,
es hieße so. Da schob Arvers das
Sterben hinaus. Es schien ihm nöt ig, dieses erst aufzuklären.
Er wurde ganz klar und setzte ihr auseinander, daß es »Korridor«
hieße. Dann
starb er. Er war ein Dichter und haßte das Ungefähre; oder vielleicht
war es ihm nur um
die Wahrheit zu tun; oder es störte ihn, als letzten Eindruck mitzunehmen,
daß die Welt
so nachlässig weiterginge. Das wird nicht mehr zu entscheiden sein. Nur soll
man nicht glauben,
daß es Pedanterie war. Sonst träfe derselbe Vorwurf den heiligen Jean
de Dieu, der
in seinem Sterben aufsprang und gerade noch zurechtkam, im Garten den eben
Erhängten abzuschneiden, von dem
auf wunderbare Art Kunde in die verschlossene Spannung
seiner Agonie gedrungen war. Auch ihm war es nur um die Wahrheit zu tun.
Es giebt ein
Wesen, das vollkommen unschädlich ist, wenn es dir in die Augen kommt,
du merkst es
kaum und hast es gleich wieder vergessen. Sobald es dir abe r
unsichtbar auf irgendeine Weise ins
Gehör gerät, so entwickelt es sich dort, es kriecht
gleichsam aus, und man hat Fälle
gesehen, wo es bis ins Gehirn vordra ng und in diesem Organ
verheerend gedieh, ähnlich den Pneumokocken des Hundes, die dur ch die Nase
eindringen.
Dieses Wesen ist der Nachbar.
Nun, ich habe, seit ich so vereinzelt
herumkomme, unzählige Nachbaren gehabt; obere und
untere, rechte und linke, manchmal alle vier Arten zugleich. Ich könnte einfach
die
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