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Ich habe etwas getan gegen die Furcht.
Ich habe die ganze Nacht gesessen und geschrieben,
und jetzt bin ich so gut müde wie nach einem weiten Weg über die
Felder von Ulsgaard.
Es ist doch schwer zu denken, daß alles das nicht mehr ist, daß
fremde Leute wohnen
in dem alten langen Herrenhaus. Es kann sein, daß in dem weißen
Zimmer oben im
Giebel jetzt die Mägde schlafen, ihren schweren, feuchten Schlaf schlafen
von Abend bis
Morgen. Und man
hat niemand und nichts und fahrt in der Welt herum mit einem Koffer und mit
einer Bücherkiste und eigentlich
ohne Neugierde. Was für ein Leben ist das eigentlich:
ohne Haus, ohne ererbte Dinge, ohne
Hunde. Hätte man doch wenigstens seine Erinnerungen.
Aber wer hat die? Wäre die Kindheit da, sie ist wie vergraben. Vielleicht
muß man
alt sein, um an das alles heranreichen zu können. Ich denk e es mir gut,
alt zu sein.
Heute
war ein schöner, herbstlicher Morgen. Ich ging durch die Tuilerien. Alles,
was gegen Osten
lag, vor der Sonne, blendete. Das Angeschienene war vom Nebe l
verhangen wie von einem lichtgrauen
Vorhang. Grau im Grauen sonnten sich die Statuen
in den noch nicht enthüllten Gärten. Einzelne Blumen in den langen Beeten
standen auf und
sagten: Rot, mit einer erschrockenen Stimme. Dann kam ein sehr großer,
schlanker Mann um die Ecke, von den
Champs-Elysées her; er trug eine Krücke, aber
nicht mehr unter die Schulter geschoben,
- er hielt sie vor sich her, leicht, und von Zeit zu Zeit
stellte er sie fest und laut auf wie einen Heroldstab. Er konnte ein Lächeln
der Freude nicht
unterdrücken und lächelte, an allem vorbei, der Sonne, den B äumen
zu. Sein Schritt war
schüchtern wie der eines Kindes, aber ungewöhnlich leicht, vol l von
Erinnerung an früheres
Gehen.
Was
so ein kleiner Mond alles vermag. Da sind Tage, wo alles um einen lic ht ist,
leicht, kaum
angegeben in der hellen Luft und doch deutlich. Das Näch ste schon hat
Töne der Ferne, ist weggenommen
und nur gezeigt, nicht hergereicht; u nd was Beziehung
zur Weite hat: der Fluß, die Brücken, die langen Straß en und die
Plätze, die sich
verschwenden, das hat diese Weite eingenommen hinter sich, ist auf ihr gemalt
wie auf Seide.
Es ist nicht zu sagen, was dann ein lichtgrüner Wagen sein kann auf dem Pont-
neuf oder irgendein Rot, das nicht
zu halten ist, oder auch nur ein Plakat an der Feuermauer
einer perlgrauen Häusergruppe. Alles ist vereinfacht, auf einige richtige,
helle plans gebracht
wie das Gesicht in einem Manetschen Bildnis. Und nichts ist gering und
überflüssig. Die Bouquinisten
am Quai tun ihre Kästen auf, und das frische oder vernutzte
Gelb der Bücher, das violette
Braun der Bände, das größere Grün einer Mappe: alles
stimmt, gilt, nimmt teil und bildet
eine Vollzähligkeit, in der nichts fehlt.
Unten ist folgende Zusammenstellung:
ein kleiner Handwagen, von einer Fra u geschoben;
vorn darauf ein Leierkasten, der Länge nach. Dahinter quer ein
Kinderkorb, in dem ein ganz Kleines
auf festen Beinen steht, vergnügt in seiner Haube,
und sich nicht mag setzen lassen. Von Zeit zu Zeit dreht die Frau am Orgelkasten.
Das ganz Kleine
stellt sich dann sofort stampfend in seinem Korbe wieder auf, und ein
kleines Mädchen in einem grünen
Sonntagskleid tanzt und schlägt Tamburin zu den
Fenstern hinauf.
Ich glaube, ich
müßte anfangen, etwas zu arbeiten, jetzt, da ich sehen lerne. Ich bin
achtundzwanzig,
und es ist so gut wie nichts geschehen. Wiederholen wir: ich habe eine
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