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sein? Gewiß, das war die Erde.
Sie bewegte sich ja doch. In der Schul e war davon gesprochen
worden, man war etwas eilig darüber weggegangen, und später wurde es
gern vertuscht;
es galt nicht für passend, davon zu sprechen. Aber nun, da er einmal
empfindlich geworden war, bekam er auch
das zu fühlen. Ob die anderen es fühlten? Vielleicht,
aber sie zeigten es nicht. Wahrscheinlich machte es ihnen nichts aus, diesen
Seeleuten. Nikolaj Kusmitsch aber war
ausgerechnet in diesem Punkt etwas delikat, er vermied
sogar die Straßenbahnen. Er taumelte im Zimmer umher wie auf Deck und mußte
sich rechts und
links halten. Zum Unglück fiel ihm noch etwas von der schiefen Stellung
der Erdachse ein. Nein, er konnte alle
diese Bewegungen nicht vertragen. Er fühlte sich elend.
Liegen und ruhig halten, hatte er einmal irgendwo gelesen. Und seither lag Nikolaj
Kusmitsch.
Er lag und hatte die Augen geschlossen.
Und es gab Zeiten, weniger beweg te Tage sozusagen,
wo es ganz erträglich war. Und dann hatte er sich das ausg edacht mit den
Gedichten. Man
sollte nicht glauben, wie das half. Wenn man so ein Gedicht langsam
hersagte, mit gleichmäßiger
Betonung der Endreime, dann war gewissermaßen etwas
Stabiles da, worauf man sehen konnte,
innerlich versteht sich. Ein Glück, daß er alle diese
Gedichte wußte. Aber er hatte
sich immer ganz besonders für Literatur interessiert. Er
beklagte sich nicht über seinen
Zustand, versicherte mir der Student, der ihn lange kannte.
Nur hatte sich mit der Zeit eine übertriebene
Bewunderung für die in ihm herausgebildet, die,
wie der Student, herumgingen und die Bewegung der Erde vertrugen.
Ich erinnere mich dieser Geschichte
so genau, weil sie mich ungemein beruhigte. Ich kann wohl
sagen, ich habe nie wieder einen so angenehmen Nachbar gehabt, wie diesen
Nikolaj Kusmitsch,
der sicher auch mich bewundert hätte.
Ich nahm mir nach dieser Erfahrung
vor, in ähnlichen Fällen immer g leich auf die
Tatsachen loszugehen. Ich merkte, wie
einfach und erleichternd sie waren, den Vermutungen
gegenüber. Als ob ich nicht gewußt hätte, daß al le unsere
Einsichten nachträglich
sind, Abschlüsse, nichts weiter. Gleich dahinter fängt eine neue Seite
an mit etwas
ganz anderem, ohne Übertrag. Was halfen mir jetzt im gegenwärtigen Falle
die paar Tatsachen,
die sich spielend feststellen ließen. Ich will sie gleich aufzählen,
wenn ich gesagt
haben werde, was mich augenblicklich beschäftigt: daß sie e her dazu
beigetragen haben,
meine Lage, die (wie ich jetzt eingestehe) recht schwierig war, noch lästiger
zu gestalten.
Es sei zu meiner
Ehre gesagt, daß ich viel geschrieben habe in diesen Tagen; ich habe
krampfhaft geschrieben.
Allerdings, wenn ich ausgegangen war, so dachte ich nicht gerne
an das Nachhausekommen. Ich machte
sogar kleine Umwege und verlor auf di ese Art eine
halbe Stunde, während welcher ich hätte schreiben können. Ich
gebe zu, daß dies eine
Schwäche war. War ich aber einmal in meinem Zimmer, so hatte ich mir nichts
vorzuwerfen.
Ich schrieb, ich hatte mein Leben, und das da nebenan war e in ganz
anderes Leben, mit dem ich nichts teilte:
das Leben eines Studenten der Medizin, der für sein
Examen studierte. Ich hatte nichts Ähnliches vor mir, schon das war ein
entscheidender. Unterschied. Und auch
sonst waren unsere Umstände so verschieden wie
möglich. Das alles leuchtete mir ein. Bis zu dem Moment, da ich wußte,
daß es kommen
würde; da vergaß ich, daß es zwischen uns keine Gemeinsa mkeit
gab. Ich horchte
so, daß mein Herz ganz laut wurde. Ich ließ alles und horc hte. Und
dann kam es: ich
habe mich nie geirrt. Beinah
jeder kennt den Lärm, den irgendein blechernes, rundes Ding, nehmen wir an,
der Deckel einer
Blechbüchse, verursacht, wenn er einem entglitten ist. Gewöhnlich kommt
er gar nicht
einmal sehr laut unten an, er fällt kurz auf, rollt auf dem Rande weiter
und wird eigentlich
erst unangenehm, wenn der Schwung zu Ende geht und er nach allen Seiten
taumelnd aufschlägt, eh er ins
Liegen kommt. Nun also: das ist das Ga nze; so ein
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