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blecherner Gegenstand fiel nebenan, rollte, blieb liegen, und dazwischen, in gewissen
Abständen, stampfte es. Wie alle Geräusche, die sich wiederholt durchsetzen, hatte auch
dieses sich innerlich organisiert; es wandelte sich ab, es war niemals genau dasselbe.
Aber gerade das sprach für seine Gesetzmäßigkeit. Es konnte heftig sein oder milde oder
melancholisch; es konnte gleichsam überstürzt vorübergehen oder unendlich lange
hingleiten, eh es zu Ruhe kam. Und das letzte Schwanken war immer überraschend.
Dagegen hatte das Aufstampfen, das hinzukam, etwas fast Mechanisches. Ab er es teilte
den Lärm immer anders ab, das schien seine Aufgabe zu sein. Ich kann diese
Einzelheiten jetzt viel besser übersehen; das Zimmer neben mir ist leer. Er ist nach Hause
gereist, in die Provinz. Er sollte sich erholen. Ich wohne im obersten Stockwerk. Rechts ist
ein anderes Haus, unter mir ist noch niemand eingezogen: ich bin ohne Na chbar.
In dieser Verfassung wundert es mich beinah, daß ich die Sache nicht leichter nahm.
Obwohl ich doch jedesmal im voraus gewarnt war durch mein Gefühl. Das wäre
auszunutzen gewesen. Erschrick nicht, hätte ich mir sagen müssen, jetzt kommt es; ich
wußte ja, daß ich mich niemals täuschte. Aber das lag vielleich t gerade an den Tatsachen,
die ich mir hatte sagen lassen; seit ich sie wußte, war ich noch schr eckhafter geworden.
Es berührte mich fast gespenstisch, daß das, was diesen Lärm au slöste, jene kleine,
langsame, lautlose Bewegung war, mit der sein Augenlid sich eigenmächtig über sein
rechtes Auge senkte und schloß, während er las. Dies war das Wesen tliche an seiner
Geschichte, eine Kleinigkeit. Er hatte schon ein paar Mal die Examen vorbeigehen lassen
müssen, sein Ehrgeiz war empfindlich geworden, und die Leute daheim drängten
wahrscheinlich, sooft sie schrieben. Was blieb also übrig, als sich zusammenzunehmen.
Aber da hatte sich, ein paar Monate vor der Entscheidung, diese Schwäche eingestellt;
diese kleine, unmögliche Ermüdung, die so lächerlich war, wie wenn ein Fenstervorhang
nicht oben bleiben will. Ich bin sicher, daß er wochenlang der Meinun g war, man müßte
das beherrschen können. Sonst wäre ich nicht auf die Idee verfalle n, ihm meinen Willen
anzubieten. Eines Tages begriff ich nämlich, daß der seine zu Ende sei. Und seither, wenn
ich es kommen fühlte, stand ich da auf meiner Seite der Wand und bat ihn, sich zu
bedienen. Und mit der Zeit wurde mir klar, daß er darauf einging. Vielleicht hätte er das
nicht tun dürfen, besonders wenn man bedenkt, daß es eigentlich ni chts half.
Angenommen sogar, daß wir die Sache ein wenig hinhielten, so bleibt es doch fraglich, ob
er wirklich imstande war, die Augenblicke, die wir so gewannen, auszunutzen. Und was
meine Ausgaben betrifft, so begann ich sie zu fühlen. Ich weiß, ic h fragte mich, ob das so
weitergehen dürfe, gerade an dem Nachmittag, als jemand in unserer Etage ankam. Dies
ergab bei dem engen Aufgang immer viel Unruhe in dem kleinen Hôtel. Eine Weile später
schien es mir, als trete man bei meinem Nachbar ein. Unsere Türen waren die letzten im
Gang, die seine quer und dicht neben der meinen. Ich wußte indessen, daß er zuweilen
Freunde bei sich sah, und, wie gesagt, ich interessierte mich durchaus nicht für seine
Verhältnisse. Es ist möglich, daß seine Tür noch mehrmals ge öffnet wurde, daß man
draußen kam und ging. Dafür war ich wirklich nicht verantwortlich.
Nun an diesem selben Abend war es ärger denn je. Es war noch nicht se hr spät, aber ich
war aus Müdigkeit schon zu Bett gegangen; ich hielt es für wahrsch einlich, daß ich
schlafen würde. Da fuhr ich auf, als hätte man mich berührt. Gleich darauf brach es los. Es
sprang und rollte und rannte irgendwo an und schwankte und klappte. Das Stampfen war
fürchterlich. Dazwischen klopfte man unten, einen Stock tiefer, deutlich und böse gegen
die Decke. Auch der neue Mieter war natürlich gestört. Jetzt: das mußte seine Türe sein.
Ich war so wach, daß ich seine Türe zu hören meinte, obwohl er erstaunlich vorsichtig
damit umging. Es kam mir vor, als nähere er sich. Sicher wollte er wissen, in welchem
Zimmer es sei. Was mich befremdete, war seine wirklich übertriebene Rücksicht. Er hatte
doch eben bemerken können, daß es auf Ruhe nicht ankam in diesem H ause. Warum in
aller Welt unterdrückte er seinen Schritt? Eine Weile glaubte ich ihn an meiner Tür; und
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