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dann vernahm ich, darüber war kein
Zweifel, daß er nebenan eintrat. Er trat ohne weiters
nebenan ein. Und
nun (ja, wie soll ich das beschreiben?), nun wurde es still. Still, wie wenn ein
Schmerz aufhört.
Eine eigentümlich fühlbare, prickelnde Stille, als ob eine Wunde heilte.
Ich hätte sofort
schlafen können; ich hätte Atem holen können und einschlafen. Nur
mein Erstaunen hielt
mich wach. Jemand sprach nebenan, aber auch das gehörte mit in die
Stille. Das muß
man erlebt haben, wie diese Stille war, wiedergeben läßt es sich nicht.
Auch draußen war
alles wie ausgeglichen. Ich saß auf, ich horchte, es war wie auf dem
Lande. Lieber Gott,
dachte ich, seine Mutter ist da. Sie saß neben dem Licht, sie redete ihm
zu, vielleicht hatte
er den Kopf ein wenig gegen ihre Schulter gelegt. Gleich würde sie ihn zu
Bett bringen.
Nun begriff ich das leise Gehen draußen auf dem Gang. Ach, daß es das
gab. So ein Wesen,
vor dem die Türen ganz anders nachgeben als vor uns. Ja, n un konnten wir
schlafen.
Ich habe meinen
Nachbar fast schon vergessen. Ich sehe wohl, daß es ke ine richtige
Teilnahme war, was ich für ihn
hatte. Unten frage ich zwar zuweilen im Vorüber gehen,
ob Nachrichten von ihm da sind und
welche. Und ich freue mich, wenn sie gut sind. Aber
ich übertreibe. Ich habe eigentlich
nicht nötig, das zu wissen. Das hängt gar nicht mehr mit
ihm zusammen, daß ich manchmal
einen plötzlichen Reiz verspüre, nebenan einzutreten.
Es ist nur ein Schritt von meiner Tür
zu der anderen, und das Zimmer ist nicht verschlossen.
Es würde mich interessieren, wie dieses Zimmer eigentlich beschaffen ist.
Man kann sich
mit Leichtigkeit ein beliebiges Zimmer vorstellen, und oft stimmt es dann
ungefähr. Nur das Zimmer, das
man neben sich hat, ist immer ganz ande rs, als man es sich
denkt. Ich sage
mir, daß es dieser Umstand ist, der mich reizt. Aber ich wei ß ganz
gut, daß es ein gewisser
blecherner Gegenstand ist, der auf mich wartet. Ich habe angenommen, daß
es sich wirklich
um einen Büchsendeckel handelt, obwohl ich mich natü rlich irren kann.
Das beunruhigt
mich nicht. Es entspricht nun einmal meiner Anlage, die Sache auf einen
Büchsendeckel zu schieben. Man
kann denken, daß er ihn nicht mitge nommen hat. Wahrscheinlich
hat man aufgeräumt, man hat den Deckel auf seine Büchse gesetzt, wie
es sich gehört.
Und nun bilden die beiden zusammen den Begriff Büc hse, runde Büchse,
genau ausgedrückt,
einen einfachen, sehr bekannten Begriff. Mir ist, als entsänne ich
mich, daß
sie auf dem Kamin stehn, die beiden, die die Büchse ausmachen. Ja, sie stehn
sogar vor dem
Spiegel, so daß dahinter noch eine Büchse entsteht, eine täuschend
ähnliche,
imaginäre. Eine Büchse, auf die wir gar keinen Wert legen, nach der
aber zum Beispiel
ein Affe greifen würde. Richtig, es würden sogar zwei Affen danach greifen,
denn auch der
Affe wäre doppelt, sobald er auf dem Kaminrand ankäme. Nu n also, es
ist der Deckel
dieser Büchse, der es auf mich abgesehen hat. Einigen
wir uns darüber: der Deckel einer Büchse, einer gesunden B üchse,
deren Rand nicht
anders gebogen ist, als sein eigener, so ein Deckel müßte ke in anderes
Verlangen kennen,
als sich auf seiner Büchse zu befinden; dies müßte das Äußerste
sein, was er sich
vorzustellen vermag; eine nicht zu übertreffende Befriedigung, die Erfüllung
aller seiner
Wünsche. Es ist ja auch etwas geradezu Ideales, geduldig und s anft eingedreht
auf der kleinen
Gegenwulst gleichmäßig aufzuruhen und die eingreifende Kante in sich
zu fühlen,
elastisch und gerade so scharf, wie man selber am Rande ist, wenn man einzeln
daliegt. Ach,
aber wie wenige Deckel giebt es, die das noch zu schätz en wissen. Hier zeigt
es sich so recht,
wie verwirrend der Umgang mit den Menschen auf die Din ge gewirkt hat.
Die Menschen nämlich, wenn es
angeht, sie ganz vorübergehend mit s olchen Deckeln zu
vergleichen, sitzen höchst ungern
und schlecht auf ihren Beschäfti gungen. Teils weil sie
nicht auf die richtigen gekommen sind
in der Eile, teils weil man sie schief und zornig aufgesetzt
hat, teils weil die Ränder, die aufeinander gehören, verbogen sind,
jeder auf
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