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jedem Wachsen wuchs er gegen die Erwachsenen
an. Sie spürten ihn auf in seinem Versteck
wie ein jagdbares Tier, und seine lange Jugend war ohne Schonze it. Und wenn
er sich nicht erschöpfen ließ
und davonkam, so schrieen sie übe r das, was von ihm
ausging, und nannten es häßlich
und verdächtigten es. Und hörte er nicht darauf, so
wurden sie deutlicher und aßen
ihm sein Essen weg und atmeten ihm sei ne Luft aus und spieen
in seine Armut, daß sie ihm widerwärtig würde. Sie brachten Verruf
über ihn wie über
einen Ansteckenden und warfen ihm Steine nach, damit er sich rascher entfernte.
Und sie hatten
recht in ihrem alten Instinkt: denn er war wirklich ihr F eind.
Aber dann, wenn er nicht aufsah, besannen
sie sich. Sie ahnten, daß s ie ihm mit alledem seinen
Willen taten; daß sie ihn in seinem Alleinsein bestärkten u nd ihm halfen,
sich abzuscheiden
von ihnen für immer. Und nun schlugen sie um und wandten das Letzte
an, das Äußerste,
den anderen Widerstand: den Ruhm. Und bei diesem Lärmen blickte fast
jeder auf und wurde zerstreut.
Diese Nacht ist
mir das kleine grüne Buch wieder eingefallen, das ich als Knabe einmal
besessen haben muß; und ich weiß
nicht, warum ich mir einbilde, da ß es von Mathilde
Brahe stammte. Es interessierte mich nicht, da ich es bekam, un d ich las es
erst mehrere Jahre später, ich
glaube in der Ferienzeit auf Ulsgaard. Aber wichtig war es
mir vom ersten Augenblick an. Es war
durch und durch voller Bezug, auch äußerlich
betrachtet. Das Grün des Einbands
bedeutete etwas, und man sah sofort ein, daß es innen
so sein mußte, wie es war. Als ob das verabredet worden wäre, kam zuerst
dieses glatte,
weiß in weiß gewässerte Vorsatzblatt und dann die Titelseite, die
man für geheimnisvoll
hielt. Es hätten wohl Bilder drin sein können, so sah es aus; aber es
waren keine,
und man mußte, fast wider Willen, zugeben, daß auch das in der Ordnung
sei. Es entschädigte
einen irgendwie, an einer bestimmten Stelle das schmale Leseband zu
finden, das, mürbe und ein wenig
schräg, rührend in seinem Vertrauen, noch rosa zu sein,
seit Gott weiß wann immer zwischen
den gleichen Seiten lag. Vielleich t war es nie benutzt
worden, und der Buchbinder hatte es
rasch und fleißig da hineingeboge n, ohne recht hinzusehen.
Möglicherweise aber war es kein Zufall. Es konnte sein, d aß jemand
dort zu lesen
aufgehört hatte, der nie wieder las; daß das Schicksal in diesem Moment
an seiner Türe
klopfte, um ihn zu beschäftigen, daß er weit von allen Büchern
weggeriet, die doch schließlich
nicht das Leben sind. Das war nicht zu erkennen, ob das B uch weitergelesen
worden war. Man konnte sich auch denken,
daß es sich einfach darum handelte, diese Stelle
aufzuschlagen wieder und wieder, und daß es dazu gekommen war, wenn
auch manchmal
erst spät in der Nacht. Jedenfalls hatte ich eine Scheu vor den beiden Seiten,
wie vor einem
Spiegel, vor dem jemand steht. Ich habe sie nie gelesen. I ch weiß
überhaupt nicht, ob ich das ganze
Buch gelesen habe. Es war nicht seh r stark, aber es standen
eine Menge Geschichten drin, besonders am Nachmittag; dann war i mmer eine
da, die man noch nicht kannte.
Ich erinnere nur noch zwei. Ich will
sagen, welche: Das Ende des Grischa Otrepjow und Karls
des Kühnen Untergang. Gott
weiß, ob es mir damals Eindruck machte. Aber jetzt, nach so viel Jahren,
entsinne ich mich
der Beschreibung, wie der Leichnam des falschen Zaren unter die Menge geworfen
worden war und
dalag drei Tage, zerfetzt und zerstochen und eine Maske v or dem
Gesicht. Es ist natürlich gar
keine Aussicht, daß mir das kleine Buch je wieder in die
Hände kommt. Aber diese Stelle
muß merkwürdig gewesen sein. Ich hätte auch Lust,
nachzulesen, wie die Begegnung mit
der Mutter verlief. Er mag sich sehr sicher gefühlt
haben, da er sie nach Moskau kommen
ließ; ich bin sogar überzeugt, daß er zu jener Zeit
so stark an sich glaubte, daß
er in der Tat seine Mutter zu berufen meinte. Und diese
Marie Nagoi, die in schnellen Tagreisen
aus ihrem dürftigen Kloster kam, gewann ja auch alles,
wenn sie zustimmte. Ob aber seine Unsicherheit nicht gerade damit begann, daß
sie
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