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Es gehörte unglaubliche Vorsicht dazu, mit diesem Blute zu leben. Der Herzog war damit
eingeschlossen in sich selbst, und zuzeiten fürchtete ers, wenn es um ihn herumging,
geduckt und dunkel. Es konnte ihm selber grauenhaft fremd sein, dieses b ehende,
halbportugiesische Blut, das er kaum kannte. Oft ängstigte es ihn, daß es ihn im Schlafe
anfallen könnte und zerreißen. Er tat, als bändigte ers, aber er stand immer in seiner
Furcht. Er wagte nie eine Frau zu lieben, damit es nicht eifersüchtig würde, und so reißend
war es, daß Wein nie über seine Lippen kam; statt zu trinken, sänftigte ers mit Rosenmus.
Doch, einmal trank er, im Lager vor Lausanne, als Granson verloren war; da war er krank
und abgeschieden und trank viel puren Wein. Aber damals schlief sein Blu t. In seinen
sinnlosen letzten Jahren verfiel es manchmal in diesen schweren, tierischen Schlaf. Dann
zeigte es sich, wie sehr er in seiner Gewalt war; denn wenn es schlief, war er nichts. Dann
durfte keiner von seiner Umgebung herein; er begriff nicht, was sie redeten. Den fremden
Gesandten konnte er sich nicht zeigen, öd wie er war. Dann saß er und wartete, daß es
aufwachte. Und meistens fuhr es mit einem Sprunge auf und brach aus dem Herzen aus
und brüllte.
Für dieses Blut schleppte er alle die Dinge mit, auf die er nichts gab. Die drei großen
Diamanten und alle die Steine; die flandrischen Spitzen und die Teppiche von Arras,
haufenweis. Sein seidenes Gezelt mit den aus Gold gedrehten Schnüren und vierhundert
Zelte für sein Gefolg. Und Bilder, auf Holz gemalt, und die zwölf Apostel aus vollem Silber.
Und den Prinzen von Tarent und den Herzog von Cleve und Philipp von Bade n und den
Herrn von Château-Guyon. Denn er wollte seinem Blut einreden, daß er Kaiser sei und
nichts über ihm: damit es ihn fürchte. Aber sein Blut glaubte ihm nicht, trotz solcher
Beweise, es war ein mißtrauisches Blut. Vielleicht erhielt er es noch eine Weile im Zweifel.
Aber die Hörner von Uri verrieten ihn. Seither wußte sein Blut, daß es in einem Verlorenen
war: und wollte heraus.
So seh ich es jetzt, damals aber machte es mir vor allem Eindruck, von dem Dreikönigstag
zu lesen, da man ihn suchte.
Der junge lothringische Fürst, der tags vorher, gleich nach der merkw ürdig hastigen
Schlacht in seiner elenden Stadt Nancy eingeritten war, hatte ganz früh seine Umgebung
geweckt und nach dem Herzog gefragt. Bote um Bote wurde ausgesandt, und er selbst
erschien von Zeit zu Zeit am Fenster, unruhig und besorgt. Er erkannte nicht immer, wen
sie da brachten auf ihren Wagen und Tragbahren, er sah nur, daß es nicht der Herzog
war. Und auch unter den Verwundeten war er nicht, und von den Gefangenen, die man
fortwährend noch einbrachte, hatte ihn keiner gesehen. Die Flüchtlinge aber trugen nach
allen Seiten verschiedene Nachrichten und waren wirr und schreckhaft, al s fürchteten sie,
auf ihn zuzulaufen. Es dunkelte schon, und man hatte nichts von ihm gehö rt. Die Kunde,
daß er verschwunden sei, hatte Zeit herumzukommen an dem langen Winterabend. Und
wohin sie kam, da erzeugte sie in allen eine jähe, übertriebene Sicherheit, daß er lebte.
Nie vielleicht war der Herzog so wirklich in jeder Einbildung wie in die ser Nacht. Es gab
kein Haus, wo man nicht wachte und auf ihn wartete und sich sein Klopfen vorstellte. Und
wenn er nicht kam, so wars, weil er schon vorüber war.
Es fror diese Nacht, und es war, als fröre auch die Idee, daß er sei; so hart wurde sie. Und
Jahre und Jahre vergingen, eh sie sich auflöste. Alle diese Menschen, ohne es recht zu
wissen, bestanden jetzt auf ihm. Das Schicksal, das er über sie gebra cht hatte, war nur
erträglich durch seine Gestalt. Sie hatten so schwer erlernt, daß er war; nun aber, da sie
ihn konnten, fanden sie, daß er gut zu merken sei und nicht zu verges sen.
Aber am nächsten Morgen, dem siebenten Januar, einem Dienstag, fing das Suchen doch
wieder an. Und diesmal war ein Führer da. Es war ein Page des Herzogs , und es hieß, er
habe seinen Herrn von ferne stürzen sehen; nun sollte er die Stelle zeigen. Er selbst hatte
nichts erzählt, der Graf von Campobasso hatte ihn gebracht und hatte für ihn gesprochen.
Nun ging er voran, und die anderen hielten sich dicht hinter ihm. Wer ihn so sah,
vermummt und eigentümlich unsicher, der hatte Mühe zu glauben, daß es wirklich Gian-
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