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war, sich auszugleichen, las ich sofort
laut, immerzu bis zu einem Abschnitt und weiter, die nächste
Überschrift: An Bettine. »Nein,
nicht die Antworten«, unterbrach mich Abelone und legte auf einmal wie erschöpft
die kleine Gabel
nieder. Gleich darauf lachte sie über das Gesicht, mit dem ich sie ansah.
»Mein Gott,
was hast du schlecht gelesen, Malte.« Da
mußte ich nun zugeben, daß ich keinen Augenblick bei der Sache gewesen
sei. »Ich las
nur, damit du mich unterbrichst«, gestand ich und wurde heiß und blätterte
zurück nach
dem Titel des Buches. Nun wußte ich erst, was es war. »Warum denn
nicht die Antworten?«
fragte ich neugierig. Es
war, als hätte Abelone mich nicht gehört. Sie saß da in ihrem lichten
Kleid, als ob sie überall
innen ganz dunkel würde, wie ihre Augen wurden. »Gieb
her«, sagte sie plötzlich wie im Zorn und nahm mir das Bu ch aus der
Hand und schlug
es richtig dort auf, wo sie es wollte. Und dann las sie einen von Bettinens
Briefen. Ich
weiß nicht, was ich davon verstand, aber es war, als würde mir feierlich
versprochen, dieses
alles einmal einzusehen. Und während ihre Stimme zunahm und en dlich fast
jener glich,
die ich vom Gesang her kannte, schämte ich mich, daß ich mi r unsere
Versöhnung so
gering vorgestellt hatte. Denn ich begriff wohl, daß sie das war. Aber nun
geschah sie irgendwo
ganz im Großen, weit über mir, wo ich nicht hinreichte.
Das Versprechen
erfüllt sich noch immer, irgendwann ist dasselbe Buch unter meine
Bücher geraten, unter die paar
Bücher, von denen ich mich nicht trenne. Nun schlägt
es sich auch mir an den Stellen auf,
die ich gerade meine, und wenn ich sie lese, so bleibt
es unentschieden, ob ich an Bettine denke oder an Abelone. Nein, Bettine
ist wirklicher
in mir geworden, Abelone, die ich gekannt habe, war wie eine Vorbereitung auf
sie, und nun
ist sie mir in Bettine aufgegangen wie in ihrem eigenen, un willkürlichen
Wesen. Denn diese
wunderliche Bettine hat mit allen ihren Briefen Raum gegeben,
geräumigste Gestalt. Sie hat von
Anfang an sich im Ganzen so ausgebreitet, als wär sie
nach ihrem Tod. Überall hat sie
sich ganz weit ins Sein hineingelegt, zugehörig dazu, und
was ihr geschah, das war ewig in der
Natur; dort erkannte sie sich und l öste sich beinah
schmerzhaft heraus; erriet sich mühsam
zurück wie aus Überlieferungen, beschwor sich
wie einen Geist und hielt sich aus.
Eben warst
du noch, Bettine; ich seh dich ein. Ist nicht die Erde noch warm von di r, und
die Vögel
lassen noch Raum für deine Stimme. Der Tau ist ein ander er, aber die Sterne
sind noch die
Sterne deiner Nächte. Oder ist nicht die Welt überhaupt von dir? denn
wie oft hast
du sie in Brand gesteckt mit deiner Liebe und hast sie lodern s ehen und
aufbrennen und hast sie heimlich durch
eine andere ersetzt, wenn alle schliefen. Du fühltest
dich so recht im Einklang mit Gott, wenn du jeden Morgen eine neue Erde von ihm
verlangtest,
damit doch alle drankämen, die er gemacht hatte. Es kam dir armsälig
vor, sie zu schonen
und auszubessern, du verbrauchtest sie und hieltest die Hä nde hin um immer
noch Welt. Denn
deine Liebe war allem gewachsen. Wie
ist es möglich, daß nicht noch alle erzählen von deiner Lie be?
Was ist denn seither geschehen,
was merkwürdiger war? Was beschäftigt sie denn? Du selb er wußtest
um deiner Liebe
Wert, du sagtest sie laut deinem größesten Dichter vor, daß er
sie menschlich
mache; denn sie war noch Element. Er aber hat sie den Leuten ausgeredet,
da er dir schrieb. Alle haben diese
Antworten gelesen und glauben ihnen mehr, weil der
Dichter ihnen deutlicher ist als die
Natur. Aber vielleicht wird es sich einmal zeigen, daß
hier die Grenze seiner Größe
war. Diese Liebende ward ihm auferlegt, und er hat sie nicht
bestanden. Was heißt es, daß
er nicht hat erwidern können? Solche Liebe bedarf keiner
Erwiderung, sie hat Lockruf und Antwort
in sich; sie erhört sich selbst. Aber demütigen
hätte er sich müssen vor
ihr in seinem ganzen Staat und schreiben was sie diktiert, mit
beiden Händen, wie Johannes auf
Patmos, knieend. Es gab keine Wahl di eser Stimme
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