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gegenüber, die »das Amt der
Engel verrichtete«; die gekommen wa r, ihn einzuhüllen und
zu entziehen ins Ewige hinein. Da war
der Wagen seiner feurigen Himmelfahrt. Da war seinem
Tod der dunkle Mythos bereitet, den er leer ließ.
Das Schicksal liebt es, Muster und Figuren
zu erfinden. Seine Schwierigkeit beruht im Komplizierten.
Das Leben selbst aber ist schwer aus Einfachheit. Es hat nur ein paar
Dinge von uns nicht angemessener Größe.
Der Heilige, indem er das Schicksal ablehnt,
wählt diese, Gott gegenüber. Daß aber die Frau, ihrer Natur nach,
in Bezug auf den
Mann die gleiche Wahl treffen muß, ruft das Verhängnis aller L iebesbeziehungen
herauf: entschlossen
und schicksalslos, wie eine Ewige, steht sie neben ihm, der sich
verwandelt. Immer übertrifft die
Liebende den Geliebten, weil das Leb en größer ist als das
Schicksal. Ihre Hingabe will unermeßlich
sein: dies ist ihr Glück. Das namenlose Leid ihrer
Liebe aber ist immer dieses gewesen:
daß von ihr verlangt wird, diese Hingabe zu beschränken.
Es ist keine
andere Klage je von Frauen geklagt worden: die beiden ersten Briefe
Heloïsens enthalten nur sie, und
fünfhundert Jahre später erhebt sie sich aus den Briefen
der Portugiesin; man erkennt sie wieder
wie einen Vogelruf. Und plötzlich geht durch den hellen
Raum dieser Einsicht der Sappho fernste Gestalt, die die Jahrhunderte nicht
fanden, da sie sie im Schicksal suchten.
Ich
habe niemals gewagt, von ihm eine Zeitung zu kaufen. Ich bin nicht si cher, daß
er wirklich immer
einige Nummern bei sich hat, wenn er sich außen am Luxembourg-
Garten langsam hin und zurück
schiebt den ganzen Abend lang. Es kehrt dem Gitter den
Rücken, und seine Hand streift
den Steinrand, auf dem die Stäbe aufstehen. Er macht sich
so flach, daß täglich viele
vorübergehen, die ihn nie gesehen haben. Zwar hat er noch
einen Rest von Stimme in sich und mahnt;
aber das ist nicht anders als ein Geräusch in einer
Lampe oder im Ofen oder wenn es in eigentümlichen Abständen in einer
Grotte tropft.
Und die Welt ist so eingerichtet, daß es Menschen giebt, die ihr ganzes
Leben lang in
der Pause vorbeikommen, wenn er, lautloser als alles was sich bewegt, weiter rückt
wie ein Zeiger,
wie eines Zeigers Schatten, wie die Zeit. Wie
unrecht hatte ich, ungern hinzusehen. Ich schäme mich aufzuschrei ben, daß
ich oft in seiner
Nähe den Schritt der andern annahm, als wüßte ich nicht um ihn.
Dann hörte ich es in
ihm »La Presse« sagen und gleich darauf noch einmal und ein dri ttes
Mal in raschen Zwischenräumen.
Und die Leute neben mir sahen sich um und suchten die Stimme. Nur
ich tat eiliger als alle, als wäre
mir nichts aufgefallen, als wäre ich innen überaus
beschäftigt.
Und ich war es in der Tat. Ich war
beschäftigt, ihn mir vorzustellen, ich unternahm die
Arbeit, ihn einzubilden, und der Schweiß
trat mir aus vor Anstrengung. Denn ich mußte ihn machen
wie man einen Toten macht, für den keine Beweise mehr da sind, keine
Bestandteile;
der ganz und gar innen zu leisten ist. Ich weiß jetzt, daß es
mir ein wenig half,
an die vielen abgenommenen Christusse aus streifigem Elfenbein zu denken, die
bei allen Althändlern
herumliegen. Der Gedanke an irgendeine Pietà trat vor und ab -: dies
alles wahrscheinlich nur, um eine gewisse
Neigung hervorzurufen, in der sein langes Gesicht
sich hielt, und den trostlosen Bartnachwuchs im Wangenschatten u nd die
endgültig schmerzvolle Blindheit
seines verschlossenen Ausdrucks, der schräg aufwärts
gehalten war. Aber es war außerdem
so vieles, was zu ihm gehörte; denn dies begriff ich
schon damals, daß nichts an ihm
nebensächlich sei: nicht die Art, wie der Rock oder der
Mantel, hinten abstehend, überall
den Kragen sehen ließ, diesen niedrigen Kragen, der in
einem großen Bogen um den gestreckten,
nischigen Hals stand, ohne ihn zu berühren; nicht
die grünlich schwarze Krawatte, die weit um das Ganze herumgeschnallt war;
und
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