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ganz besonders nicht der Hut, ein alter,
hochgewölbter, steifer Filzhut, den er trug wie alle
Blinden ihre Hüte tragen: ohne
Bezug zu den Zeilen des Gesichts, ohne die Möglichkeit,
aus diesem Hinzukommenden und sich selbst
eine neue äußere Einheit zu bilden; nicht
anders als irgendeinen verabredeten
fremden Gegenstand. In meiner Feigheit, nicht hinzusehen,
brachte ich es so weit, daß das Bild dieses Mannes sich s chließlich
oft auch ohne
Anlaß stark und schmerzhaft in mir zusammenzog zu so hartem Elend, daß
ich mich, davon
bedrängt, entschloß, die zunehmende Fertigkeit meiner Einbildung durch
die auswärtige
Tatsache einzuschüchtern und aufzuheben. Es war gegen A bend. Ich nahm
mir vor, sofort aufmerksam an ihm vorbeizugehen.
Nun muß man
wissen: es ging auf den Frühling zu. Der Tagwind hatte sich gelegt, die
Gassen waren lang und befriedigt; an
ihrem Ausgang schimmerten Häuser , neu wie frische
Bruchstellen eines weißen Metalls. Aber es war ein Metall, da s einen überraschte
durch seine Leichtigkeit.
In den breiten, fortlaufenden Straßen zogen viele Leute
durcheinander, fast ohne die Wagen
zu fürchten, die selten waren. Es mußte ein Sonntag
sein. Die Turmaufsätze von Saint-Sulpice
zeigten sich heiter und unerwartet hoch in der Windstille,
und durch die schmalen, beinah römischen Gassen sah man u nwillkürlich
hinaus in die
Jahreszeit. Im Garten und davor war so viel Bewegung von Menschen, daß
ich ihn nicht gleich sah. Oder erkannte
ich ihn zuerst nicht zwischen der Menge durch? Ich
wußte sofort, daß meine Vorstellung wertlos war. Die durch kei ne Vorsicht
oder Verstellung
eingeschränkte Hingegebenheit seines Elends übertraf meine Mittel. Ich
hatte weder den
Neigungswinkel seiner Haltung begriffen gehabt noch das Entsetzen, mit dem
die Innenseite seiner Lider ihn fortwährend
zu erfüllen schien. Ich hatte nie an seinen Mund
gedacht, der eingezogen war wie die Öffnung eines Ablaufs. Möglicherweise
hatte er Erinnerungen;
jetzt aber kam nie mehr etwas zu seiner Seele hinzu als täglich das
amorphe Gefühl des Steinrands
hinter ihm, an dem seine Hand sich abnutzte. Ich war stehngeblieben,
und während ich das alles fast gleichzeitig sah, fühlte ich, daß
er einen anderen
Hut hatte und eine ohne Zweifel sonntägliche Halsbinde; sie w ar schräg
in gelben und
violetten Vierecken gemustert, und was den Hut angeht, so war es ein billiger
neuer Strohhut
mit einem grünen Band. Es liegt natürlich nichts an diesen Farben, und
es ist kleinlich,
daß ich sie behalten habe. Ich will nur sagen, daß sie an ihm waren
wie das Weicheste
auf eines Vogels Unterseite. Er selbst hatte keine Lust daran, und wer von
allen (ich sah mich um) durfte meinen,
dieser Staat wäre um seinetwillen? Mein
Gott, fiel es mir mit Ungestüm ein, so bist du also. Es giebt Beweise für
deine Existenz.
Ich habe sie alle vergessen und habe keinen je verlangt, denn welche
ungeheuere Verpflichtung läge
in deiner Gewißheit. Und doch, nun w ird mirs gezeigt.
Dieses ist dein Geschmack, hier hast
du Wohlgefallen. Daß wir doch le rnten, vor allem aushalten
und nicht urteilen. Welche sind die schweren Dinge? Welche die gnädigen?
Du allein weißt
es. Wenn es wieder
Winter wird und ich muß einen neuen Mantel haben, - gieb mir, daß ich
ihn so trage,
solang er neu ist.
Es ist nicht, daß ich mich von
ihnen unterscheiden will, wenn ich in b esseren, von Anfang
an meinigen Kleidern herumgehe und darauf halte, irgendwo zu wohn en. Ich
bin nicht so weit. Ich habe nicht das
Herz zu ihrem Leben. Wenn mir der Arm einginge,
ich glaube, ich versteckte ihn. Sie aber (ich weiß nicht, wer sie sonst war),
sie erschien
jeden Tag vor den Terrassen der Caféhäuser, und obwohl es sehr
schwer war für sie,
den Mantel abzutun und sich aus dem unklaren Zeug und Unterzeug herauszuziehen,
sie scheute der
Mühe nicht und tat ab und zog aus so lange, daß ma ns kaum mehr
erwarten konnte. Und dann stand sie
vor uns, bescheiden, mit ihrem dü rren, verkümmerten
Stück, und man sah, daß es rar war.
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