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jünglinglichen Jagdtag überfiel, als das stille Gesicht, äugend , aus den Zweigen trat. Das
Geheimnis seiner Sichtbarkeit verbreitete sich über seine sanfte Gestalt; er rührte sich
nicht, aus Scheu, zu vergehen, das dünne Lächeln auf seinem breite n, einfachen Gesicht
nahm eine natürliche Dauer an wie bei steinernen Heiligen und bemühte ihn nicht. So hielt
er sich hin, und es war einer jener Augenblicke, die die Ewigkeit sind, in Verkürzung
gesehen. Die Menge ertrug es kaum. Gestär
gespeist, durchbrach sie die Stille mit dem Aufschrei der Freude. Aber oben auf dem
Balkon war nur noch Juvenal des Ursins, und er rief in die nächste Be ruhigung hinein, daß
der König rue Saint-Denis kommen würde zu der Passionsbrüderschaft, die Mysterien
sehen.
Zu solchen Tagen war der König voll milden Bewußtseins. Hätte e in Maler jener Zeit einen
Anhalt gesucht für das Dasein im Paradiese, er hätte kein vollkommeneres Vorbild finden
können als des Königs gestillte Figur, wie sie in einem der hohen Fenster des Louvre
stand unter dem Sturz ihrer Schultern. Er blätterte in dem Kleinen Buch der Christine de
Pisan, das »Der Weg des langen Lernens« heißt und das ihm gewid met war. Er las nicht
die gelehrten Streitreden jenes allegorischen Parlaments, das sich vorgesetzt hatte, den
Fürsten ausfindig zu machen, der würdig sei, über die Welt zu h errschen. Das Buch
schlug sich ihm immer an den einfachsten Stellen auf: wo von dem Herzen die Rede war,
das dreizehn Jahre lang wie ein Kolben über dem Schmerzfeuer nur dazu gedient hatte,
das Wasser der Bitternis für die Augen zu destillieren; er begriff, d aß die wahre
Konsolation erst begann, wenn das Glück vergangen genug und für im mer vorüber war.
Nichts war ihm näher, als dieser Trost. Und während sein Blick sch einbar die Brücke
drüben umfaßte, liebte er es, durch dieses von der starken Cumäa zu großen Wegen
ergriffene Herz die Welt zu sehen, die damalige: die gewagten Meere, fremdtürmige
Städte, zugehalten vom Andruck der Weiten; der gesammelten Gebirge ekstatische
Einsamkeit und die in fürchtigem Zweifel erforschten Himmel, die sich erst schlossen wie
eines Saugkindes Hirnschale.
Aber wenn jemand eintrat, so erschrak er, und langsam beschlug sich sein Geist. Er gab
zu, daß man ihn vom Fenster fortführte und ihn beschäftigte. Sie hatten ihm die
Gewohnheit beigebracht, stundenlang über Abbildungen zu verweilen, un d er war es
zufrieden, nur kränkte es ihn, daß man im Blättern niemals mehrere Bilder vor sich behielt
und daß sie in den Folianten festsaßen, so daß man sie nicht un tereinander bewegen
konnte. Da hatte sich jemand eines Spiels Karten erinnert, das völlig in Vergessenheit
geraten war, und der König nahm den in Gunst, der es ihm brachte; so sehr waren diese
Kartons nach seinem Herzen, die bunt waren und einzeln beweglich und vol ler Figur. Und
während das Kartenspielen unter den Hofleuten in Mode kam, saß der König in seiner
Bibliothek und spielte allein. Genau wie er nun zwei Könige nebeneinander aufschlug, so
hatte Gott neulich ihn und den Kaiser Wenzel zusammengetan; manchmal starb eine
Königin, dann legte er ein HerzAß auf sie, das war wie ein Grabstein. Es wunderte ihn
nicht, daß es in diesem Spiel mehrere Päpste gab; er richtete Rom ein drüben am Rande
des Tisches, und hier, unter seiner Rechten, war Avignon. Rom war ihm gleichgültig, er
stellte es sich aus irgendeinem Grunde rund vor und bestand nicht weiter darauf. Aber
Avignon kannte er. Und kaum dachte er es, so wiederholte seine Erinnerung den hohen
hermetischen Palast und überanstrengte sich. Er schloß die Augen und mußte tief Atem
holen. Er fürchtete bös zu träumen nächste Nacht.
Im ganzen aber war es wirklich eine beruhigende Beschäftigung, und si e hatten recht, ihn
immer wieder darauf zu bringen. Solche Stunden befestigten ihn in der Ansicht, daß er der
König sei, König Karl der Sechste. Das will nicht sagen, daß er sich übertrieb; weit von ihm
war die Meinung, mehr zu sein als so ein Blatt, aber die Gewißheit bestärkte sich in ihm,
daß auch er eine bestimmte Karte sei, vielleicht eine schlechte, eine zornig ausgespielte,
die immer verlor; aber immer die gleiche; aber nie eine andere. Und doch, wenn eine
Woche so hingegangen war in gleichmäßiger Selbstbestätigung, so wurde ihm enge in
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