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um mit ihnen von seiner Reue zu reden.
Und vielleicht war das, was sein Leben über die
Maßen hinhielt, schließlich
nur die Hoffnung, sich auch noch vor N apoleon Orsini zu de
mütigen, der ihn haßte und
der nicht kommen wollte. Jakob
von Cahors hatte widerrufen. Und man könnte meinen, Gott selber hätte
seine Irrung erweisen
wollen, da er so bald hernach jenen Sohn des Grafen von Ligny
aufkommen ließ, der seine Mündigkeit
auf Erden nur abzuwarten schien, um des Himmels seelische
Sinnlichkeiten mannbar anzutreten. Es lebten viele, die sich dieses klaren
Knaben in seinem Kardinalat erinnerten,
und wie er am Eingang seiner Jünglingschaft Bischof
geworden und mit kaum achtzehn Jahren in einer Ekstase seiner Vollendung
gestorben war. Man begegnete Totgewesenen:
denn die Luft an seinem Grabe, in der, frei geworden,
pures Leben lag, wirkte lange noch auf die Leichname. Aber war nicht etwas
Verzweifeltes selbst in dieser frühreifen
Heiligkeit? War es nicht ein Unrecht an allen, daß
das reine Gewebe dieser Seele nur eben
durchgezogen worden war, als hand elte es sich nur
darum, es in der garen Scharlachküpe der Zeit leuchtend zu färben? Empfand
man nicht etwas
wie einen Gegenstoß, da dieser junge Prinz von der Erde absprang in seine
leidenschaftliche
Himmelfahrt? Warum verweilten die Leuchtenden nicht un ter den
mühsamen Lichtziehern? War es
nicht diese Finsternis, die Johann den Zweiundzwanzigsten
dahin gebracht hatte, zu behaupten, daß es vor dem jüngsten
Gericht keine ganze Seligkeit gäbe,
nirgends, auch unter den Seligen nicht? Und in der
Tat, wieviel rechthaberische Verbissenheit
gehörte dazu, sich vorzustellen, daß, während
hier so dichte Wirrsal geschah, irgendwo
Gesichter schon im Scheine Gottes lagen, an Engel
zurückgelehnt und gestillt durch die unausschöpfliche Aussicht auf ihn.
Da
sitze ich in der kalten Nacht und schreibe und weiß das alles. Ich weiß
es vielleicht, weil
mir jener Mann begegnet ist, damals als ich klein war. Er war sehr groß,
ich glaube sogar,
daß er auffallen mußte durch seine Größe.
So unwahrscheinlich es ist, es war
mir irgendwie gelungen, gegen Abend a llein aus dem Haus
zu kommen; ich lief, ich bog um eine Ecke, und in demselben Augenbl ick stieß
ich gegen ihn.
Ich begreife nicht, wie das, was jetzt geschah, sich in etwa fünf Sekunden
abspielen konnte.
So dicht man es auch erzählt, es dauert viel länger. Ich hatte mir weh
getan im Anlauf
an ihn; ich war klein, es schien mir schon viel, daß ich nicht weinte, auch
erwartete ich
unwillkürlich, getröstet zu sein. Da er das nicht tat, hielt ich ihn
für verlegen; es
fiel ihm, vermutete ich, der richtige Scherz nicht ein, in dem diese Sache aufzulösen
war. Ich war
schon vergnügt genug, ihm dabei zu helfen, aber dazu war es nötig,
ihm ins Gesicht
zu sehen. Ich habe gesagt, daß er groß war. Nun hatte er sich nicht,
wie es doch natürlich
gewesen wäre, über mich gebeugt, so daß er sich in einer
Höhe befand, auf die ich
nicht vorbereitet war. Immer noch war vor mir nichts als der Geruch und die
eigentümliche Härte seines
Anzugs, die ich gefühlt hatte. Plötzlich kam sein Gesicht. Wie
es war? Ich weiß es nicht, ich
will es nicht wissen. Es war das Gesicht eines Feindes. Und
neben diesem Gesicht, dicht nebenan,
in der Höhe der schrecklichen Au gen, stand, wie ein
zweiter Kopf, seine Faust. Ehe ich noch Zeit hatte, mein Gesicht wegzusenken,
lief ich schon;
ich wich links an ihm vorbei und lief geradeaus eine leere, furch tbare Gasse
hinunter, die
Gasse einer fremden Stadt, einer Stadt in der nichts vergeben wird.
Damals erlebte ich, was ich jetzt begreife:
jene schwere, massive, verzweifelte Zeit. Die Zeit,
in der der Kuß zweier, die sich versöhnten, nur das Zeichen für
die Mörder war, die herumstanden.
Sie tranken aus demselben Becher, sie bestiegen vor aller Augen das
gleiche Reitpferd, und es wurde verbreitet,
daß sie die Nacht in einem Bette schlafen würden:
und über allen diesen Berührungen wurde ihr Widerwillen aneinander so
dringend, daß,
sooft einer die schlagenden Adern des andern sah, ein krankhafter Ekel ihn
bäumte,
wie beim Anblick einer Kröte. Die Zeit, in der ein Bruder den Bruder um dessen
größeren
Erbteils willen überfiel und gefangenhielt; zwar trat der König für
den
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