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Mißhandelten ein und erreichte ihm Freiheit und Eigentum; in anderen fernen Schicksalen
beschäftigt, gestand ihm der Ältere Ruhe zu und bereute in Briefen sein Unrecht. Aber
über alledem kam der Befreite nicht mehr zur Fassung. Das Jahrhundert zeigt ihn im
Pilgerkleid von Kirche zu Kirche ziehen, immer wunderlichere Gelübde erfindend. Mit
Amuletten behangen, flüstert er den Mönchen von Saint-Denis seine Befürchtungen zu,
und in ihren Registern stand lange die hundertpfündige Wachskerze ver zeichnet, die er für
gut hielt, dem heiligen Ludwig zu weihen. Zu seinem eigenen Leben kam es nicht; bis an
sein Ende fühlte er seines Bruders Neid und Zorn in verzerrter Konstellation über seinem
Herzen. Und jener Graf von Foix, Gaston Phöbus, der in aller Bewunderung war, hatte er
nicht seinen Vetter Ernault, des englischen Königs Hauptmann zu Lourdes, offen getötet?
Und was war dieser deutliche Mord gegen den grauenvollen Zufall, daß er das kleine
scharfe Nagelmesser nicht fortgelegt hatte, als er mit seiner berühmt schönen Hand in
zuckendem Vorwurf den bloßen Hals seines liegenden Sohnes streifte? D ie Stube war
dunkel, man mußte leuchten, um das Blut zu sehen, das so weit herkam und nun für
immer ein köstliches Geschlecht verließ, da es heimlich aus der wi nzigen Wunde dieses
erschöpften Knaben austrat.
Wer konnte stark sein und sich des Mordes enthalten? Wer in dieser Zeit wußte nicht, daß
das Äußerste unvermeidlich war? Da und dort über einen, dessen Blick untertags dem
kostenden Blick seines Mörders begegnet war, kam ein seltsames Vorgefühl. Er zog sich
zurück, er schloß sich ein, er schrieb das Ende seines Willens und verordnete zum Schluß
die Trage aus Weidengeflecht, die Cölestinerkutte und Aschenstreu. Fremde Minstrel
erschienen vor seinem Schloß, und er beschenkte sie fürstlich für ihre Stimme, die mit
seinen vagen Ahnungen einig war. Im Aufblick der Hunde war Zweifel, und sie wurden
weniger sicher in ihrer Aufwartung. Aus der Devise, die das ganze Leben lang gegolten
hatte, trat leise ein neuer, offener Nebensinn. Manche lange Gewohnheit kam einem
veraltet vor, aber es war, als bildete sich kein Ersatz mehr für sie. Stellten sich Pläne ein,
so ging man im großen mit ihnen um, ohne wirklich an sie zu glauben; dagegen griffen
gewisse Erinnerungen zu einer unerwarteten Endgültigkeit. Abends, am Feuerplatz,
meinte man sich ihnen zu überlassen. Aber die Nacht draußen, die man nicht mehr
kannte, wurde auf einmal ganz stark im Gehör. Das an so vielen freien oder gefährlichen
Nächten erfahrene Ohr unterschied einzelne Stücke der Stille.
Und doch war es anders diesmal. Nicht die Nacht zwischen gestern und heu te: eine
Nacht. Nacht. Beau Sire Dieu, und dann die Auferstehung. Kaum daß in solche Stunden
die Berühmung um eine Geliebte hineinreichte:
Diengedichten; unbegreiflich geworden unter langen nachschleppenden Prunknamen.
Höchstens, im Dunkel, wie das volle, frauige Aufschaun eines Bastards ohns.
Und dann, vor dem späten Nachtessen diese Nachdenklichkeit über di e Hände in dem
silbernen Waschbecken. Die eigenen Hände. Ob ein Zusammenhang in das Ihre zu
bringen war? eine Folge, eine Fortsetzung im Greifen und Lassen? Nein. Alle versuchten
das Teil und das Gegenteil. Alle hoben sich auf, Handlung war keine.
Es gab keine Handlung, außer bei den Missionsbrüdern. Der König, so wie er sie hatte
sich gebärden sehn, erfand selbst den Freibrief für sie. Er redete sie seine lieben Brüder
an; nie war ihm jemand so nahegegangen. Es wurde ihnen wörtlich bewil ligt, in ihrer
Bedeutung unter den Zeitlichen herumzugehen; denn der König wünschte nichts mehr, als
daß sie viele anstecken sollten und hineinreißen in ihre starke Aktion, in der Ordnung war.
Was ihn selbst betrifft, so sehnte er sich, von ihnen zu lernen. Trug er nicht, ganz wie sie,
die Zeichen und Kleider eines Sinnes an sich? Wenn er ihnen zusah, so ko nnte er
glauben, dies müßte sich erlernen lassen: zu kommen und zu gehen, auszusagen und
sich abzubiegen so daß kein Zweifel war. Ungeheuere Hoffnungen übe rzogen sein Herz.
In diesem unruhig beleuchteten, merkwürdig unbestimmten Saal des
Dreifaltigkeitshospitals saß er täglich an seinem besten Platz und stand auf vor Erregung
und nahm sich zusamm wie ein Schüler. Andere weinten; er aber war inn en voll
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