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glänzender Tränen und preßte
nur die kalten Hände ineinander, um es zu ertragen.
Manchmal im Äußersten, wenn
ein abgesprochener Spieler plötzlich wegtrat aus seinem
großen Blick, hob er das Gesicht
und erschrak: seit wie lange schon w ar Er da: Monseigneur
Sankt Michael, oben, vorgetreten an den Rand des Gerüsts in seiner
spiegelnden silbernen Rüstung.
In solchen Momenten
richtete er sich auf. Er sah um sich wie vor einer Entscheidung. Er
war ganz nahe daran, das Gegenstück
zu dieser Handlung hier einzusehen: die große, bange,
profane Passion, in der er spielte. Aber auf einmal war es vorbei. Alle bewegten
sich ohne Sinn.
Offene Fackeln kamen auf ihn zu, und in die Wölbung h inauf warfen sich
formlose Schatten. Menschen, die er
nicht kannte, zerrten an ihm. Er wollte spielen; aber aus
seinem Mund kam nichts, seine Bewegungen ergaben keine Gebärde. Sie drängten
sich so eigentümlich
um ihn, es kam ihm die Idee, daß er das Kreuz tragen sollte. Und er
wollte warten, daß sie es brächten.
Aber sie waren stärker, und sie schoben ihn langsam
hinaus.
Aussen ist vieles anders geworden.
Ich weiß nicht wie. Aber innen und vor Dir, mein
Gott, innen vor Dir, Zuschauer: sind
wir nicht ohne Handlung? Wir entdec ken wohl, daß
wir die Rolle nicht wissen, wir suchen einen Spiegel, wir möch ten abschminken
und das Falsche
abnehmen und wirklich sein. Aber irgendwo haftet uns noc h ein Stück
Verkleidung an, das wir vergessen.
Eine Spur Übertreibung bleibt in unseren Augenbrauen,
wir merken nicht, daß unsere Mundwinkel verbogen sind. Und so gehen wir
herum, ein Gespött und eine Hälfte:
weder Seiende, noch Schauspiel er.
Das war im Theater zu Orange. Ohne
recht aufzusehen, nur im Bewußtsein des rustiken
Bruchs, der jetzt seine Fassade ausmacht, war ich durch die kleine Glastür
des Wächters
eingetreten. Ich befand mich zwischen liegenden Säule nkörpern und
kleinen Althaeabäumen, aber sie
verdeckten mir nur einen Augenblick die offene Muschel des
Zuschauerhangs, die dalag, geteilt von den Schatten des Nachmittags, wie
eine riesige
konkave Sonnenuhr. Ich ging rasch auf sie zu. Ich fühlte, zwi schen den Sitzreihen
aufsteigend,
wie ich abnahm in dieser Umgebung. Oben, etwas höher, standen, schlecht
verteilt, ein paar Fremde herum in
müßiger Neugier; ihre Anzüge waren unangenehm
deutlich, aber ihr Maßstab war
nicht der Rede wert. Eine Weile faßten sie mich ins Auge
und wunderten sich über meine
Kleinheit. Das machte, daß ich mich umdrehte. Oh,
ich war völlig unvorbereitet. Es wurde gespielt. Ein immenses, ein übermenschliches
Drama war im
Gange, das Drama dieser gewaltigen Szenenwand, deren senkrechte
Gliederung dreifach auftrat, dröhnend
vor Größe, fast vernichtend und plötzlich maßvoll im
Übermaß.
Ich ließ mich hin vor glücklicher
Bestürzung. Dieses Ragende da mit der antlitzhaften
Ordnung seiner Schatten, mit dem gesammelten
Dunkel im Mund seiner Mitte, begrenzt, oben,
von des Kranzgesimses gleichlockiger Haartracht: dies war die starke, alles
verstellende antikische Maske, hinter
der die Welt zum Gesicht zusammenschoß. Hier, in diesem
großen, eingebogenen Sitzkreis herrschte ein wartendes, leeres, saugendes
Dasein: alles
Geschehen war drüben: Götter und Schicksal. Und von drüben
kam (wenn man
hoch aufsah) leicht, über den Wandgrat: der ewige Einzug der Himmel.
Diese Stunde, das begreife ich jetzt,
schloß mich für immer aus vo n unseren Theatern.
Was soll ich dort? Was soll ich vor
einer Szene, in der diese Wand (die Ikonwand der russischen
Kirchen) abgetragen wurde, weil man nicht mehr die Kraft hat, durch ihre Härte
die Handlung
durchzupressen, die gasförmige, die in vollen schweren Öltropfen austritt.
Nun fallen die
Stücke in Brocken durch das lochige Grobsieb der Bü hnen und häufen
sich an und werden
weggeräumt, wenn es genug ist. Es ist dieselbe ungare W irklichkeit, die
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