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auf den Straßen liegt und in den
Häusern, nur daß mehr davon dort zusammenkommt, als
sonst in einen Abend geht.
(Laßt uns doch
aufrichtig sein, wir haben kein Theater, so wenig wir e inen Gott haben:
dazu gehört Gemeinsamkeit. Jeder
hat seine besonderen Einfälle und Befürchtungen, und
er läßt den andern so viel
davon sehen, als ihm nützt und paßt. Wir verdünnen
fortwährend unser Verstehen, damit
es reichen soll, statt zu schreien nach der Wand einer gemeinsamen
Not, hinter der das Unbegreifliche Zeit hat, sich zu sammeln und
anzuspannen.)*
Hätten
wir ein Theater, stündest du dann, du Tragische, immer wieder so schmal,
so bar, so ohne
Gestaltvorwand vor denen, die an deinem ausgestellten Schmerz ihre
eilige Neugier vergnügen? Du sahst,
unsäglich Rührende, das Wir klichsein deines Leidens
voraus, in Verona damals, als du, fast noch ein Kind, theaterspielend, lauter
Rosen vor dich
hieltst wie eine maskige Vorderansicht, die dich gesteigert verbergen
sollte. Es
ist wahr, du warst ein Schauspielerkind, und wenn die Deinen spielten , so wollten
sie gesehen sein;
aber du schlugst aus der Art. Dir sollte dieser Beruf werd en, was für
Marianna Alcoforado, ohne daß
sie es ahnte, die Nonnenschaft war, ein e Verkleidung, dicht
und dauernd genug, um hinter ihr rückhaltlos elend zu sein, mit der Inständigkeit,
mit der unsichtbare
Selige selig sind. In allen Städten, wohin du kamst, beschrieben sie deine
Gebärde;
aber sie begriffen nicht, wie du, aussichtsloser von Tag zu Tag, immer wieder
eine Dichtung
vor dich hobst, ob sie dich berge. Du hieltest dein Haar, deine Hände,
irgendein dichtes
Ding vor die durchscheinenden Stellen. Du hauchtest di e an, die
durchsichtig waren; du machtest dich
klein; du verstecktest dich, wie Kinder sich verstecken,
und dann hattest du jenen kurzen, glücklichen Auflaut, un d höchstens
ein Engel hätte
dich suchen dürfen. Aber, schautest du dann vorsichtig auf, so war
kein Zweifel,
daß sie dich die ganze Zeit gesehen hatten, alle in dem häßlichen,
hohlen, äugigen
Raum: dich, dich, dich und nichts anderes. Und
es kam dich an, ihnen den Arm verkürzt entgegenzustrecken mit dem Fingerzeichen
gegen den bösen
Blick. Es kam dich an, ihnen dein Gesicht zu entreiß en, an dem sie
zehrten. Es kam dich an, du selber
zu sein. Deinen Mitspielern fiel der Mut; als hätte man
sie mit einem Pantherweibchen zusammengesperrt,
krochen sie an den Kulis sen entlang und
sprachen was fällig war, nur um dich nicht zu reizen. Du aber zog st sie
hervor und stelltest
sie hin und gingst mit ihnen um wie mit Wirklichen. Die schlappen Türen,
die hingetäuschten
Vorhänge, die Gegenstände ohne Hinterseite drängten dich zum
Widerspruch. Du fühltest, wie
dein Herz sich unaufhaltsam steigerte zu einer immensen
Wirklichkeit und, erschrocken, versuchtest
du noch einmal die Blicke von dir abzunehmen wie
lange Fäden Altweibersommers -: Aber da brachen sie schon in Beif all aus
in ihrer Angst
vor dem Äußersten: wie um im letzten Moment etwas von sich abzuwenden,
was sie zwingen
würde, ihr Leben zu ändern.
Schlecht leben die Geliebten und in
Gefahr. Ach, daß sie sich übers tünden und
Liebende würden. Um die Liebenden
ist lauter Sicherheit. Niemand verdächtigt sie mehr,
und sie selbst sind nicht imstande, sich zu verraten. In ihnen ist das Geheimnis
heil geworden,
sie schreien es im Ganzen aus wie Nachtigallen, es hat ke ine Teile. Sie
klagen um einen; aber die ganze Natur
stimmt in sie ein: es ist die Klag e um einen Ewigen.
Sie stürzen sich dem Verlorenen nach, aber schon mit den ersten Schritten
überholen
sie ihn, und vor ihnen ist nur noch Gott. Ihre Legende
ist die der Byblis, die den
*
Im
Manuskript an den Rand geschrieben.
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