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Völker. Das schöne Gegengewicht der Welt, das bis in seine Zierate hinein voll latenter
Energien steht, die sich immer feiner vernervten -: dieses Venedig.
Das Bewußtsein, daß ich es kannte, Überkam mich unter allen die sen sich täuschenden
Leuten mit so viel Widerspruch, daß ich aufsah, um mich irgendwie mitzuteilen. War es
denkbar, daß in diesen Sälen nicht einer war, der unwillkürlich darauf wartete, über das
Wesen dieser Umgebung aufgeklärt zu sein? Ein junger Mensch, der es sofort begriff, daß
hier nicht ein Genuß aufgeschlagen war, sondern ein Beispiel des Willens, wie es nirgends
anfordernder und strenger sich finden ließ? Ich ging umher, meine Wahrheit beunruhigte
mich. Da sie mich hier unter so vielen ergriffen hatte, brachte sie den Wunsch mit,
ausgesprochen, verteidigt, bewiesen zu sein. Die groteske Vorstellung entstand in mir, wie
ich im nächsten Augenblick in die Hände klatschen würde aus Haß gegen das von allen
zerredete Mißverständnis.
In dieser lächerlichen Stimmung bemerkte ich
Fenster und betrachtete mich; nicht eigentlich mit den Augen, die ernst und nachdenklich
waren, sondern geradezu mit dem Mund, der dem offenbar bösen Ausdruck meines
Gesichtes ironisch nachahmte. Ich fühlte sofort die ungeduldige Spannung in meinen
Zügen und nahm ein gelassenes Gesicht an, worauf ihr Mund natürlich wurde und
hochmütig. Dann, nach kurzem Bedenken, lä
Sie erinnerte, wenn man will, an ein gewisses Jugendbildnis der schön en Benedicte von
Qualen, die in Baggesens Leben eine Rolle spielt. Man konnte die dunkle Stille ihrer
Augen nicht sehen ohne die klare Dunkelheit ihrer Stimme zu vermuten. Übrigens war die
Flechtung ihres Haars und der Halsausschnitt ihres hellen Kleides so kop enhagisch, daß
ich entschlossen war, sie dänisch anzureden.
Ich war aber noch nicht nahe genug, da schob sich von der andern Seite eine Strömung
zu ihr hin; unsere gästeglückliche Gräfin selbst, in ihrer warmen, begeisterten
Zerstreutheit, stürzte sich mit einer Menge Beistand über sie, um sie auf der Stelle zum
Singen abzuführen. Ich war sicher, daß das junge Mädchen sich damit entschuldigen
würde, daß niemand in der Gesellschaft Interesse haben könne, dänisch singen zu hören.
Dies tat sie auch, sowie sie zu Worte kam. Das Gedränge um die lichte Gestalt herum
wurde eifriger; jemand wußte, daß sie auch deutsch singe. »Und italienisch«, ergänzte
eine lachende Stimme mit boshafter Überzeugung. Ich wußte keine Au srede, die ich ihr
hätte wünschen können, aber ich zweifelte nicht, daß sie widerstehen würde. Schon
breitete sich eine trockene Gekränktheit über die vom langen Lä cheln abgespannten
Gesichter der Überredenden aus, schon trat die gute Gräfin, um sich nichts zu vergeben,
mitleidig und würdig einen Schritt ab, da, als es durchaus nicht mehr nötig war, gab sie
nach. Ich fühlte, wie ich blaß wurde vor Enttäuschung; mein Blick füllte sich mit Vorwurf,
aber ich wandte mich weg, es lohnte nicht, sie das sehn zu lassen. Sie aber machte sich
von den andern los und war auf einmal neben mir. Ihr Kleid schien mich a n, der blumige
Geruch ihrer Wärme stand um mich.
»Ich will wirklich singen«, sagte sie auf dänisch meine Wange entlang, »nicht weil sies
verlangen, nicht zum Schein: weil ich jetzt singen muß.«
Aus ihren Worten brach dieselbe böse Unduldsamkeit, von welcher sie mich eben befreit
hatte.
Ich folgte langsam der Gruppe, mit der sie sich entfernte. Aber an einer hohen Tür blieb
ich zurück und ließ die Menschen sich verschieben und ordnen. Ich lehnte mich an das
schwarzspiegelnde Türinnere und wartete. Jemand fragte mich, was sich vorbereite, ob
man singen werde. Ich gab vor, es nicht zu wissen. Während ich log, sang sie schon.
Ich konnte sie nicht sehen. Es wurde allmählic
die die Fremden für sehr echt halten, weil sie von so deutlicher Übereinkunft sind. Sie, die
es sang, glaubte nicht daran. Sie hob es mit Mühe hinauf, sie nahm es viel zu schwer. An
dem Beifall vorne konnte man merken, wann es zu Ende war. Ich war traurig und
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