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beschämt. Es entstand einige Bewegung,
und ich nahm mir vor, sowie je mand gehen würde,
mich anzuschließen. Aber
da wurde es mit einemmal still. Eine Stille ergab sich, die eben no ch niemand
für möglich
gehalten hätte; sie dauerte an, sie spannte sich, und jetz t erhob sich in
ihr die Stimme.
(Abelone, dachte ich. Abelone.) Diesmal war sie stark, voll und doch nicht
schwer; aus einem Stück, ohne Bruch,
ohne Naht. Es war ein unbekannte s deutsches Lied.
Sie sang es merkwürdig einfach, wie etwas Notwendiges. Sie sang :
»Du,
der ichs nicht sage, daß ich bei Nacht weinend
liege, deren
Wesen mich müde macht wie
eine Wiege. Du,
die mir nicht sagt, wenn sie wacht meinetwillen:
wie, wenn wir
diese Pracht ohne
zu stillen in
uns ertrügen? (kurze
Pause und zögernd): Sieh
dir die Liebenden an, wenn
erst das Bekennen begann, wie
bald sie lügen.«
Wieder die Stille.
Gott weiß, wer sie machte. Dann rührten sich die Leute, stießen
aneinander, entschuldigten
sich, hüstelten. Schon wollten sie in ein allgemeines
verwischendes Geräusch übergehen,
da brach plötzlich die Stimme aus, entschlossen, breit
und gedrängt:
»Du machst
mich allein. Dich einzig kann ich vertauschen.
Eine Weile bist dus, dann wieder ist es das Rauschen, oder es ist ein Duft
ohne Rest. Ach,
in den Armen hab ich sie alle verloren, du nur, du wirst immer wieder
geboren: weil ich niemals dich anhielt,
halt ich dich fest.« Niemand
hatte es erwartet. Alle standen gleichsam geduckt unter dieser Stimme und zum
Schluß war
eine solche Sicherheit in ihr, als ob sie seit Jahren gewu ßt hätte,
daß sie in diesem
Augenblick würde einzusetzen haben.
Manchmal früher fragte ich mich,
warum Abelone die Kalorien ihres groß artigen Gefühls
nicht an Gott wandte. Ich weiß, sie sehnte sich, ihrer Lie be alles Transitive
zu nehmen, aber
konnte ihr wahrhaftiges Herz sich darüber täuschen , daß Gott nur
eine Richtung
der Liebe ist, kein Liebesgegenstand? Wußte sie nicht, daß keine
Gegenliebe von
ihm zu fürchten war? Kannte sie nicht die Zurückhal tung dieses
überlegenen Geliebten, der die
Lust ruhig hinausschiebt, um uns, Lang same, unser ganzes
Herz leisten zu lassen? Oder wollte sie Christus vermeiden? Fürchtete sie,
halben Wegs von
ihm aufgehalten, an ihm zur Geliebten zu werden? Dachte sie des halb ungern
an Julie Reventlow?
Fast glaube ich es, wenn ich bedenke,
wie an dieser Erleichterung Gottes eine so einfältige
Liebende wie Mechthild, eine so hinreißende wie Therese von Avila,
eine so wunde
wie die Selige Rose von Lima, hinsinken konnte, nachgiebig, doch g eliebt. Ach,
der für
die Schwachen ein Helfer war, ist diesen Starken ein Unrecht; wo sie schon
nichts mehr erwarteten,
als den unendlichen Weg, da tritt sie noch einmal im spannenden
Vorhimmel ein Gestalteter an und verwöhnt
sie mit Unterkunft und verwirtt sie mit Mannheit.
Seines starkbrechenden Herzens Linse nimmt noch einmal ihre sc hon
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