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Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge

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beschämt. Es entstand einige Bewegung, und ich nahm mir vor, sowie je mand gehen würde, mich anzuschließen. Aber da wurde es mit einemmal still. Eine Stille ergab sich, die eben no ch niemand für möglich gehalten hätte; sie dauerte an, sie spannte sich, und jetz t erhob sich in ihr die Stimme. (Abelone, dachte ich. Abelone.) Diesmal war sie stark, voll und doch nicht schwer; aus einem Stück, ohne Bruch, ohne Naht. Es war ein unbekannte s deutsches Lied. Sie sang es merkwürdig einfach, wie etwas Notwendiges. Sie sang : »Du, der ichs nicht sage, daß ich bei Nacht weinend liege, deren Wesen mich müde macht wie eine Wiege. Du, die mir nicht sagt, wenn sie wacht meinetwillen: wie, wenn wir diese Pracht ohne zu stillen in uns ertrügen? (kurze Pause und zögernd): Sieh dir die Liebenden an, wenn erst das Bekennen begann, wie bald sie lügen.« Wieder die Stille. Gott weiß, wer sie machte. Dann rührten sich die Leute, stießen aneinander, entschuldigten sich, hüstelten. Schon wollten sie in ein allgemeines verwischendes Geräusch übergehen, da brach plötzlich die Stimme aus, entschlossen, breit und gedrängt: »Du machst mich allein. Dich einzig kann ich   vertauschen. Eine Weile bist dus, dann wieder ist es das Rauschen, oder  es ist ein Duft ohne Rest. Ach, in den Armen hab ich sie alle verloren, du nur, du wirst  immer wieder geboren: weil ich niemals dich anhielt, halt ich dich fest.«   Niemand hatte es erwartet. Alle standen gleichsam geduckt unter dieser Stimme und zum Schluß war eine solche Sicherheit in ihr, als ob sie seit Jahren gewu ßt hätte, daß sie in diesem Augenblick würde einzusetzen haben. Manchmal früher fragte ich mich, warum Abelone die Kalorien ihres groß artigen Gefühls nicht an Gott wandte. Ich weiß, sie sehnte sich, ihrer Lie be alles Transitive zu nehmen, aber konnte ihr wahrhaftiges Herz sich darüber täuschen , daß Gott nur eine Richtung der Liebe ist, kein Liebesgegenstand? Wußte sie nicht,  daß keine Gegenliebe von ihm zu fürchten war? Kannte sie nicht die Zurückhal tung dieses überlegenen Geliebten, der die Lust ruhig hinausschiebt, um uns, Lang same, unser ganzes Herz leisten zu lassen? Oder wollte sie Christus vermeiden? Fürchtete sie, halben Wegs von ihm aufgehalten, an ihm zur Geliebten zu werden? Dachte sie des halb ungern an Julie Reventlow? Fast glaube ich es, wenn ich bedenke, wie an dieser Erleichterung Gottes  eine so einfältige Liebende wie Mechthild, eine so hinreißende wie Therese  von Avila, eine so wunde wie die Selige Rose von Lima, hinsinken konnte, nachgiebig, doch g eliebt. Ach, der für die Schwachen ein Helfer war, ist diesen Starken ein Unrecht; wo  sie schon nichts mehr erwarteten, als den unendlichen Weg, da tritt sie noch einmal im spannenden Vorhimmel ein Gestalteter an und verwöhnt sie mit Unterkunft und verwirtt sie mit Mannheit. Seines starkbrechenden Herzens Linse nimmt noch einmal ihre sc hon
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
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