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parallelen Herzstrahlen zusamm, und
sie, die die Engel schon ganz für Gott zu erhalten
hofften, flammen auf in der Dürre
ihrer Sehnsucht. (Geliebtsein
heißt aufbrennen. Lieben ist: Leuchten mit unerschöpflichem Öle.
Geliebt werden
ist vergehen, Lieben ist dauern.)*
Es ist
gleichwohl möglich, daß Abelone in späteren Jahren versu cht hat,
mit dem Herzen zu
denken, um unauffällig und unmittelbar mit Gott in Beziehung zu kommen. Ich
könnte mir
vorstellen, daß es Briefe von ihr giebt, die an die aufmerksame innere Beschauung
der Fürstin
Amalie Galitzin erinnern; aber wenn diese Briefe an jemanden gerichtet waren,
dem sie seit Jahren
nahestand, wie mag der gelitten haben unter ihrer Veränderung. Und
sie selbst: ich vermute, sie fürchtete
nichts als jenes gespenstische Anderswerden, das man
nicht merkt, weil man beständig alle Beweise dafür, wie das Fr emdeste,
aus den Händen
läßt.
Man wird mich schwer davon überzeugen,
daß die Geschichte des verlo renen Sohnes nicht
die Legende dessen ist, der nicht geliebt werden wollte. Da er ein Kind
war, liebten
ihn alle im Hause. Er wuchs heran, er wußte es nicht anders und gewöhnte
sich in ihre
Herzweiche, da er ein Kind war. Aber
als Knabe wollte er seine Gewohnheiten ablegen. Er hätte es nich t sagen
können, aber
wenn er draußen herumstrich den ganzen Tag und nicht einmal mehr die Hunde
mithaben wollte,
so wars, weil auch sie ihn liebten; weil in ihren Blicken Beobachtung war
und Teilnahme, Erwartung und Besorgtheit;
weil man auch vor ihnen nichts tun konnte, ohne
zu freuen oder zu kränken. Was er aber damals meinte, das war di e innige
Indifferenz seines
Herzens, die ihn manchmal früh in den Feldern mit solcher Reinheit
ergriff, daß er, zu laufen begann,
um nicht Zeit und Atem zu haben, mehr zu sein als ein leichter
Moment, in dem der Morgen zum Bewußtsein kommt. Das
Geheimnis seines noch nie gewesenen Lebens breitete sich vor ihm aus .
Unwillkürlich verließ er
den Fußpfad und lief weiter feldein, die Arme ausgestreckt, als
könnte er in dieser Breite mehrere
Richtungen auf einmal bewältigen. Und dann warf er
sich irgendwo hinter eine Hecke, und
niemand legte Wert auf ihn. Er schälte sich eine Flöte,
er schleuderte einen Stein nach einem kleinen Raubtier, er neigte sich vor und
zwang einen Käfer
umzukehren: dies alles wurde kein Schicksal, und di e Himmel gingen
wie über Natur. Schließlich
kam der Nachmittag mit lauter Einfällen; man war ein Bucanier
auf der Insel Tortuga, und es lag keine
Verpflichtung darin, es zu sein; man belagerte Campêche,
man eroberte VeraCruz; es war möglich, das ganze Heer zu sein oder ein
Anführer zu Pferd oder ein Schiff
auf dem Meer: je nachdem man sich fühlte. Fiel es einem
aber ein, hinzuknien, so war man rasch Deodat von Gozon und hatte den Drachen
erlegt und vernahm,
ganz heiß, daß dieses Heldentum hoffährtig war, ohne Gehorsam.
Denn man ersparte
sich nichts, was zur Sache gehörte. Soviel Einbildu ngen sich aber
auch einstellten, zwischendurch war
immer noch Zeit, nichts als ein Vogel zu sein, ungewiß
welcher. Nur daß der Heimweg dann kam. Mein
Gott, was war da alles abzulegen und zu vergessen; denn richtig vergessen, das
war nötig;
sonst verriet man sich, wenn sie drängten. Wie sehr man auch zögerte
und sich umsah,
schließlich kam doch der Giebel herauf. Das erste Fenster oben faßte
einen ins Auge,
es mochte wohl jemand dort stehen. Die Hunde, in denen die Erwartu ng den
ganzen Tag angewachsen war, preschten
durch die Büsche und trieben ei nen zusammen zu
dem, den sie meinten. Und den Rest tat das Haus. Man mußte nur eintreten
in seinen vollen
Geruch, schon war das Meiste entschieden. Kleinigkeiten konnten s ich noch
ändern; im ganzen war man schon
der, für den sie einen hier hielten; der, dem sie aus
seiner kleinen Vergangenheit und ihren
eigenen Wünschen längst ein Leben gemacht
*
Im
Manuskript an den Rand geschrieben.
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