Hungers schritt er schweigend über die Weiden der Welt. Fremde sahen ihn auf der
Akropolis, und vielleicht war er lange einer der Hirten in den Baux und sah die versteinerte
Zeit das hohe Geschlecht überstehen, das mit allem Erringen von Siebe n und Drei die
sechzehn Strahlen seines Sterns nicht zu bezwingen vermochte. Oder soll ich ihn denken
zu Orange, an das ländliche Triumphtor geruht? Soll ich ihn sehen im seelengewohnten
Schatten der Allyscamps, wie sein Blick zwischen den Gräbern, die off en sind wie die
Gräber Auferstandener, eine Libelle verfolgt?
Gleichviel. Ich seh mehr als ihn, ich sehe sein Dasein, das damals die lange Liebe zu Gott
begann, die stille, ziellose Arbeit. Denn über ihn, der sich für immer hatte verhalten wollen,
kam noch einmal das anwachsende Nichtanderskönnen seines Herzens. Und diesmal
hoffte er auf Erhörung. Sein ganzes, im langen Alleinsein ahnend und unbeirrbar
gewordenes Wesen versprach ihm, daß jener, den er jetzt meinte, zu lieben verstünde mit
durchdringender, strahlender Liebe. Aber während er sich sehnte, endlich so meisterhaft
geliebt zu sein, begriff sein an Fernen gewohntes Gefühl Gottes äußersten Abstand.
Nächte kamen, da er meinte, sich auf ihn zuzuwerfen in den Raum; Stun den voller
Entdeckung, in denen er sich stark genug fühlte, nach der Erde zu tauchen, um sie
hinaufzureißen auf der Sturmflut seines Herzens. Er war wie einer, der eine herrliche
Sprache hört und fiebernd sich vornimmt, in ihr zu dichten. Noch stand ihm die Bestürzung
bevor, zu erfahren, wie schwer diese Sprache sei; er wollte es nicht glauben zuerst, daß
ein langes Leben darüber hingehen könne, die ersten, kurzen Scheinsätze zu bilden, die
ohne Sinn sind. Er stürzte sich ins Erlernen wie ein Läufer in die Wette; aber die Dichte
dessen, was zu überwinden war, verlangsamte ihn. Es war nichts auszud enken, was
demütigender sein konnte als diese Anf
gefunden, und nun zwang man ihn, das rasch gemachte Gold seines Glück s unaufhörlich
zu verwandeln in das klumpige Blei der Geduld. Er, der sich dem Raum angepaßt hatte,
zog wie ein Wurm krumme Gänge ohne Ausgang
und kummervoll lieben lernte, wurde ihm gezeigt, wie nachlässig und g ering bisher alle
Liebe gewesen war, die er zu leisten vermeinte. Wie aus keiner etwas hat te werden
können, weil er nicht begonnen hatte, an ihr Arbeit zu tun und sie zu verwirklichen.
In diesen Jahren gingen in ihm die großen Veränderungen vor. Er ve rgaß Gott beinah
über der harten Arbeit, sich ihm zu nähern, und alles, was er mit der Zeit vielleicht bei ihm
zu erreichen hoffte, war »sa patience de supporter une âme«. Di e Zufälle des Schicksals,
auf die die Menschen halten, waren schon längst von ihm abgefallen, aber nun verlor,
selbst was an Lust und Schmerz notwendig war, den gewürzhaften Beiges chmack und
wurde rein und nahrhaft für ihn. Aus den Wurzeln seines Seins entwickelte sich die feste,
überwinternde Pflanze einer fruchtbaren Freudigkeit. Er ging ganz darin auf, zu
bewältigen, was sein Binnenleben ausmachte, er wollte nichts übers pringen, denn er
zweifelte nicht, daß in alledem seine Liebe war und zunahm. Ja, seine innere Fassung
ging so weit, daß er beschloß, das Wichtigste von dem, was er früher nicht hatte leisten
können, was einfach nur durchwartet worden war, nachzuholen. Er dachte vor allem an
die Kindheit, sie kam ihm, je ruhiger er sich besann, desto ungetaner vor; alle ihre
Erinnerungen hatten das Vage von Ahnungen an sich, und daß sie als ve rgangen galten,
machte sie nahezu zukünftig. Dies alles noch einmal und nun wirklich auf sich zu nehmen,
war der Grund, weshalb der Entfremdete heimkehrte. Wir wissen nicht, ob er blieb; wir
wissen nur, daß er wiederkam.
Die die Geschichte erzählt haben, versuchen es an dieser Stelle, uns an das Haus zu
erinnern, wie es war; denn dort ist nur wenig Zeit vergangen, ein wenig gezählter Zeit, alle
im Haus können sagen, wieviel. Die Hunde sind alt geworden, aber sie leben noch. Es
wird berichtet, daß einer aufheulte. Eine Unterbrechung geht durch das ganze Tagwerk.
Gesichter erscheinen an den Fenstern, gealterte und erwachsene Gesichter von rührender
Ähnlichkeit. Und in einem ganz alten schlägt plötzlich blaß das Erkennen durch. Das
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